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Team und Strategie

Kein typischer Fall

15.11.2011

Es beginnt mit einem Management-Buy-Out: 1988 übernehmen René Smits und Paul Deiters das europäische Beteiligungsgeschäft der Oranje-Nassau-Gruppe und nennen das neue Unternehmen nach dem holländische Dorf, in dem sie ihre Pläne diskutieren: Halder. Ein Team für Belgien nimmt 1989 die Arbeit auf, im Frühjahr 1991 startet eine dreiköpfige Mannschaft in Frankfurt – Paul De Ridder, Joachim Kramer und Susanne Quint.

Als internationaler, aber nicht angelsächsischer Private-Equity-Manager in Deutschland war Halder kein typischer Marktteilnehmer: Angelsächsische Firmen hatten die Möglichkeit, sich in den großen Heimatmarkt zurückzuziehen. Für eine Beteiligungsgesellschaft aus dem Beneluxraum lag das größte Potenzial außerhalb des Heimatmarkts – entsprechend wichtig war Deutschland.

Paul De Ridder (links), der 2001 nach schwerer Krankheit gestorbene Joachim Kramer und Susanne Quint sind das Gründungsteam im Frankfurter Büro von Halder. Sie hatten schon zuvor bei der Continental Bank zusammengearbeitet, die in Deutschland aktiv war und vor allem in den USA ein gutes Standing als Kreditgeber für Buy-Outs hatte.

Das Interessante am deutschen Markt war der große Mittelstand: Meist im Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und in Familienbesitz, mangelte es Mittelständlern oft an Eigenkapital, viele standen in den 1990er Jahren vor der Nachfolgefrage. Die passende Antwort darauf war der Management-Buy-Out: Das angestellte Führungsteam übernimmt mit einem Investor die Firma, der Investor sichert die Finanzierung, die Manager führen das Unternehmen als Miteigentümer weiter. 20 Jahre später ist „Halder“ in Deutschland fast zu einer Marke für Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen geworden.

Ein langer Weg: Halder war 1991 völlig unbekannt und bot ein Produkt an, das mittelständischen Unternehmern fremd war. Susanne Quint weiß noch, wie die ersten Unternehmenskontakte mit Hilfe von Firmenverzeichnissen und Datenbanken zustande kamen: „Wir haben viele Mailings und Cold Calls gemacht. Daraus ist zwar kein einziger Deal entstanden, aber der Name von Halder wurde bekannter.“ Um den Deal Flow besser in Gang zu setzen, arbeitete Halder mit M&A-Beratern zusammen, später wurden die Beiräte in die Anbahnung von Beteiligungen eingebunden.

„Von den Projekten, die wir heute in einem normalen Jahr sehen, kommen etwa 80 für eine intensivere Prüfung in Frage“, stellt Quint fest. „Das ist eine gute Basis, um eine bis zwei Investitionen im Jahr zu machen.“ Das Konzept zur Auswahl der Firmen, die vor allem von Eigentümerfamilien, bei der Ausgliederung aus Konzernen und zum Teil von anderen Finanzinvestoren verkauft werden, hat sich seit Anfang der 1990er Jahre nicht grundlegend geändert. Quint: „Eigentlich machen wir seit 20 Jahren das Gleiche! Die Strategie ist auf etablierte Mittelständler mit positiver Ertragslage, selbständig handelnder Geschäftsführung und Wachstumsperspektive ausgerichtet.“

Mit der Erfahrung aus rund 1.500 analysierten Beteiligungsmöglichkeiten hat sich die Strategie weiterentwickelt, z. B. sind die Zielunternehmen größer geworden: In den Anfangsjahren lagen die Umsätze von Zielunternehmen unter € 50 Mio., bis 2000 stieg das Niveau auf € 80 Mio., heute liegt es meist darüber. „Letztlich bewegen sich unsere Portfoliounternehmen in sehr unterschiedlichen Größenordnungen“, stellt Quint fest. „Größe kann auf Stabilität hinweisen, ist aber kein Indikator für Wachstums- oder Ertragspotenzial.“

Die Beteiligungsprojekte sind vor allem anspruchsvoller geworden – die Anforderungen an Due Diligence, Finanzierung und Vertragswerke nehmen ständig zu. Vor allem wächst die Komplexität der Zielunternehmen. Wo es früher oft um Firmen mit überschaubarem Produktspektrum oder mit nationalen oder westeuropäischen Märkten ging, investiert Halder heute in Unternehmen, die mit breitem Leistungsspektrum, internationalen Lieferketten und auf globalen Märkten arbeiten. Quint: „Solche Beteiligung haben wir uns nach und nach zugetraut – mit zunehmender Erfahrung.“

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Wie erfolgreich ein Mittelständler ist, zeigt seine Marktstellung. Wer Marktführer oder dominanter Nischenanbieter ist, hat diese Position in der Regel durch kompetentes Management, eine tragfähige Strategie und gute Produkte erreicht. Einfach gesagt, sieht Halder in guten Unternehmen vor allem gut geführte Unternehmen – leistungsfähige Plattformen, auf denen ein starkes Management Wachstum und Wertsteigerungen erreichen kann. Quint: „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Qualität der Manager von Portfoliogesellschaften entscheidend für die Rendite der Investments ist.“ Die langfristigen Ergebnisse sprechen für die Strategie: Eine Nettorendite von mehr als 20 % p. a. und eine Verlustquote von unter 3 % ohne Verluste für Banken.

Die Gründer verkauften Halder 2000 an den belgischen Private-Equity-Investor Gimv, seither wurden die anderen Teile der Organisation dort integriert. Die Rolle des Frankfurter Teams hat sich weiterentwickelt: Die betreuten Investitionen sind nicht mehr Teil von Programmen, die auf mehrere Länder zielen, sondern ausschließlich für den deutschen Markt vorgesehen. Zuerst € 49 Mio., die Gimv allein investierte, dann folgten Fonds, deren Kapital von internationalen Kapitalgebern kam. Für den 2008 aufgelegten Halder-GIMV Germany II hat das Team eine eigene Managementgesellschaft gegründet, die auch Komplementärin des Fonds ist. Damit sind die Frankfurter endgültig selbst zu mittelständischen Unternehmern geworden.

General Partner zu sein bringt neue Aufgaben mit sich: Zu den aktiven Teilhabern der Managementgesellschaft gehören Paul De Ridder, Michael Wahl und Susanne Quint aus der ersten Halder-Generation, sowie Thomas Fotteler, der Bank- und Finanzierungserfahrung mitbrachte, und der Wirtschaftsrechtler Marcus Rauschenberger. Außerdem hat Halder einen Controller, Alexander Weidenhaus, der von einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft kam. Für die Verwaltung der Deutschland-Fonds wird das Investmentmanagement erweitert: Fabian Walesch und Mathias Fackelmeyer kamen 2005 bzw. 2008, Christian Muschalik und Desiree Morscheck 2011. Insgesamt neun Beteiligungsmanager betreuen das kleinste Portfolio seit über 15 Jahren – vor der Rezession hatte Halder weniger investiert und mehr Beteiligungen verkauft. Das Team kann sich jetzt auf den Aufbau des neuen Portfolios für den bisher größten Fonds konzentrieren.