MBO@Halder

Die Fonds und ihr Umfeld

Lektion gelernt

15.11.2011

Es dauerte 23 Monate, eine Million Flugkilometer wurden verbraucht, und drei Abschlüsse waren nötig, um in den Jahren 2002/03 das Kapital für Halder-GIMV Germany zu sammeln. Der erste Halder-Fonds, der sich ausschließlich auf Buy-Outs im deutschen Mittelstand konzentrierte, hatte ein Volumen von € 155  Mio. 2008 erreichte der nächste, Halder-GIMV Germany II, seine Zielgröße von € 325 Mio. drei Monate nach Beginn der Kapitalaufnahme. Bei welchem Fonds war Doug Miller, Gründer der Platzierungsberatung International Private Equity Ltd., am Investorenmarketing beteiligt?

In den 1990er Jahren hatte das Halder-Team in Frankfurt aus Fonds investiert, die in den Niederlanden aufgelegt und von lokalen Investoren mit Kapital ausgestattet worden waren“, erinnert sich Miller. Mit Halder-GIMV Germany änderte sich die Situation grundlegend, denn das Beteiligungskonzept hatte sich von einem westeuropäischen zu einem rein deutschen Ansatz entwickelt. Und das deutsche Team musste eine eigene Investorenbasis aufbauen. Das ging nicht ohne Hilfe.“

Platzierungsberater werden erfolgsabhängig bezahlt, die Höhe ihres Honorars hängt direkt mit dem Kapitalvolumen zusammen, das sie ihren Kunden zuführen. Sie müssen wissen, welche Investoren freie Mittel haben, wer in Private Equity investiert, an Deutschland und mittelständischen Unternehmen interessiert ist und dabei nicht mit einem anderen Fondsmanager zusammenarbeitet. Entscheidend ist die Einschätzung der Erfolgsaussichten eines Fonds, erklärt Miller: „Die Schlüsselfrage lautet, was Halder für Investoren attraktiv macht. Unser Ruf baut auf den Erfolg der Fondsmanager, mit denen wir arbeiten.“

Miller hat 40 Jahre Erfahrung und Deutschland immer als den Markt gesehen, der für Private Equity am meisten versprach, ohne dieses Versprechen einzulösen. „Vor 20 Jahren waren die Gründer im Mittelstand um die 70 Jahre alt und wollten nicht verkaufen. Heute sind sie 90 und verkaufen immer noch nicht!“ Wenn Deal Flow als Problem gesehen wird, muss jeder General Partner seine Investoren davon überzeugen, dass er Zugang zu einem substanziellen Teil der Investitionsmöglichkeiten hat, die zu seiner Strategie passen. Außerdem muss er Transaktionen verarbeiten und abschließen können. Halder hatte zwei Argumente: Das Team sah seit vielen Jahren rund 40 % des Deal Flows im mittleren Marktsegment. Und die deutsche Unternehmerkultur war verinnerlicht, in der Beziehungen mehr zählen als in der angelsächsischen Wirtschaft. Miller: „Wer Investoren ernsthaft sagen kann, dass es beim Kauf von Unternehmen nicht nur um den Preis geht, hat einen Vorteil.“

Mit Beginn der Kapitalaufnahme für Halder-GIMV Germany war das deutsche Team bereits zehn Jahre im Markt und hatte 20 Investments abgeschlossen. Investoren wollen aber mehr als einen guten Track Record. Miller: „Es geht auch darum, ob die Strategie eines Fonds wirklich auf die Anlagechancen in seinem Markt ausgerichtet ist.“ Für Management-Buy-Outs im Mittelstand traf das zu, denn Mittelständler sind nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sondern aus Nachfolgefragen entstehen auch Transaktionen – irgendwann verkaufen Gründer oder Eigentümerfamilien eben doch. „Für die Investorenseite sind Buy-Outs ein Plus“, weiß Miller. „Da geht es um etablierte Märkte, stabile Firmen und bewährte Produkte, die man besser einschätzen kann. Im Vergleich zu Venture Capital ist das Risiko geringer, und es gibt genügend Wachstumspotenzial.“

Nachdem die Beziehung zwischen Markt und Anlagestrategie geklärt war, stand das Team selbst im Mittelpunkt. Miller zählt wesentliche Anforderungen auf: „Wird die Strategie von einem ausgeglichenen Team getragen, oder handelt es sich um Schneewittchen und die sieben Zwerge? Ist die Fluktuation überdurchschnittlich hoch? Macht das Altportfolio viel Arbeit, oder kann die Mannschaft sich auf Investitionen für den neuen Fonds konzentrieren?“ Bei Halder zielten die Investoren vor allem auf das kleine Team und die bei aller Finanzkompetenz fehlende operative Erfahrung. „An beiden Aspekten ist gearbeitet worden“, stellt Miller fest. „Das Team ist gewachsen, und Halder hat einen kompetenten Beirat aufgebaut, der umfassende Industrieerfahrung hat. Diese Kombination scheint gut zu funktionieren.“

  • Halder III und Halder IV waren auf Investitionen in den Benelux-Ländern bzw. Deutschland ausgelegt und das Frankfurter Team war bei diesen Fonds für Beteiligungen an deutschen Mittelständlern verantwortlich. Von 2003 an verwaltet das Team Fonds, die ausschließlich in Deutschland investieren; seit 2008 mit einer eigenen Managementgesellschaft. Gegenüber €32 Mio., die Halder III in Deutschland investierte, hat sich das auf diesen Markt zielende Kapital bei Halder-GIMV Germany II auf € 325 Mio. verzehnfacht.

  • Als „Horizon-IRR“ wird die Rendite aus Sicht der Kapitalgeber – Limited Partner – über einen bestimmten Zeitraum bezeichnet, d. h. netto und annualisiert. Zur Berechnung werden die Zu- und Abflüsse sowie das Fondsvermögen zu Beginn und am Ende dieser Periode für alle Fonds berücksichtigt, die während des betrachteten Zeitraums von Halder betreut wurden. Halders Rendite von annähernd 20% über 20 Jahre ist ein guter Wert: Der Durchschnitt für alle europäischen Buy-Out-Fonds beträgt 12,4% (Quelle: EVCA, 2010 Pan European Private Equity Performance Benchmark Study).

  • Halder nutzt alle Möglichkeiten für den Exit: Meist wird eine Beteiligung an strategische bzw. Finanzinvestoren verkauft oder an die Börse gebracht. Die Renditen sind beim Börsengang oder beim Verkauf an Finanzinvestoren oft höher. Eine mögliche Erklärung dafür findet sich hier.

  • Die Beteiligungsstrategie bestimmt die Qualität der Ergebnisse. Bei Halder gilt das nicht nur für einen, sondern für alle Fonds: Die Grundlagen der Beteiligungspolitik wurden über 20 Jahre beibehalten und immer weiter verfeinert. Insgesamt hat Halder lediglich vier Beteiligungen mit Verlusten abgeschlossen und dadurch im Verhältnis zum gesamten Investitionsvolumen eine sehr niedrige Verlustquote erzielt. Gleichzeitig waren die Renditen überdurchschnittlich hoch – ein Ergebnis der auf etablierte mittelständische Unternehmen und MBOs konzentrierten Strategie.

  • Die Kontinuität der Beteiligungsstrategie von Halder zeigt sich auch in der Umsatzgröße der Zielunternehmen. Der Umsatz hat sich zwar gegenüber den Anfangsjahren in etwa verdoppelt – der Mittelstand ist in den vergangenen 20 Jahren gewachsen, vor allem international. Aber insgesamt liegen die Umsätze von Unternehmen, die Halder auf Beteiligungsmöglichkeiten überprüft hat, in einem typisch mittelständischen Rahmen.

  • In absoluten Beträgen hat sich das von Halder investierte Kapital mehr als verdoppelt. Über € 500 Mio. sind bereits an die Investoren zurückgeflossen, der verbleibende Betrag entspricht dem Wert des aktuellen Portfolios.

Für die Investoren war besonders wichtig, das Verhältnis zu Gimv zu klären, seit 2000 die Muttergesellschaft von Halder. „Potenzielle Kapitalgeber haben sich schlicht gefragt, ob die Struktur angemessen für den Erfolg des geplanten Fonds wäre, nachdem die Halder-Gründer ihr Unternehmen verkauft hatten – das Frankfurter Team war ja ein Teil davon“, fasst Miller zusammen. Seiner Meinung nach hat die Forderung nach mehr Transparenz das Verhältnis zwischen General und Limited Partners in den vergangenen zehn bis 15 Jahren entscheidend verändert, ein Zeichen für die wachsende Erfahrung der Investoren.

Die Reaktion: Gimv blieb ein wichtiger, aber nicht der wichtigste Kapitalgeber und bestand auch nicht darauf, Eigentümer der Managementgesellschaft des Fonds zu sein, die stattdessen Partnern aus dem Frankfurter Team gehört. Im Gegenzug übernahm es auch die Fondsverwaltung selbst und arbeitet jetzt auf einer breiteren Basis als zuvor.

„Unter dem Strich haben sich all die Zeit und Flugkilometer bei der Kapitalbeschaffung für Halder-GIMV Germany wirklich gelohnt“, stellt Miller fest. „Das Konzept und Halders Reaktion auf Kommentare aus dem Markt wurden von den Investoren gut aufgenommen. Für den ersten deutschen Fonds konnten nicht alle Interessenten berücksichtigt werden, aber anschließend kam das Kapital für den zweiten Fonds viel schneller zusammen, und er wurde auch doppelt so groß.“ Ob Miller und Halder bei künftigen Fonds wieder zusammenarbeiten? Miller lacht: „Das ist ziemlich unwahrscheinlich! Abgesehen davon, dass ich mich inzwischen vor allem um philanthropische Kapitalanlagen kümmere, ist Halder jetzt etabliert genug, um das allein zu schaffen.“