MBO@Halder

Ein Beirat aus Industriemanagern

Operative Erfahrung ergänzt Finanzkompetenz

15.11.2011

Was fehlt vielen Private-Equity-Investoren, um ein Portfolio aus mittelständischen Firmen erfolgreich durch den Lebenszyklus eines Fonds zu führen? Investmentmanager haben meist einen Finanzhintergrund, sie denken analytisch und strategieorientiert. Ihre Portfoliofirmen lernen sie während einer Beteiligung gut kennen, sie sind aber keine Industriemanager, die jahrzehntelang Unternehmen geführt haben.

Wie die letzte Rezession gezeigt hat, kann Industrieerfahrung in einem schwierigen Umfeld den Unterschied zwischen durchgängig guten Ergebnissen und dem Knick in einer Erfolgsgeschichte ausmachen: Auch im Portfolio des Fonds Halder-GIMV Germany, der bis zum Beginn der Krise in neue Beteiligungen investiert hatte, führten Belastungen aus der Wirtschaftskrise vorübergehend zu Abwertungen. Aber die Unternehmen und ihre Bewertungen erholten sich schnell, und der Fonds ist dabei, die guten Ergebnisse der Vergangenheit fortzuschreiben.

Als Vorsitzender des Halder-Beirats sieht Dr. Wilfried Kaiser darin die Folge einer gelungenen Gesamtkonstruktion: „Die Rezession von 2008/09 war hart, aber gemessen daran hatten wir mit unseren Beteiligungen wenig Probleme. Ein Grund dafür ist die Konzentration von Halder auf den etablierten Mittelstand. Mittelständler sind auf Markt und Kunden konzentriert – sie reagieren in der Regel schnell auf Veränderungen. Und ein Beirat, dessen Mitglieder als aktive Manager mehr als eine Rezession bewältigt haben, hilft beim Krisenmanagement.“

Der Beirat als „industrielles Gegengewicht“ zur Finanzkompetenz des Investmentteams – diese Rollenverteilung hat sich mit zunehmender Bedeutung des deutschen Markts für Halder herausgebildet: In den 1990er Jahren war die Investitionsstrategie auf das kontinentale Westeuropa ausgerichtet, Deutschland war ein Teil davon. Ab 2001 konzentriert sich das Frankfurter Team ganz auf deutsche Mittelstandsbeteiligungen. In dieser Zeit beginnt die Entwicklung zur heutigen Zusammensetzung und Aufgabenstellung des Beirats.

Nach Einrichtung des Beirats im April 1991 fanden dreimal im Jahr Sitzungen statt, heute treffen sich die Beiräte öfter: Zu fünf formellen Sitzungen kommen ein Seminar zu Managementfragen, eine Tagung bei einer Portfoliogesellschaft und eine Veranstaltung, die Investmentteam, Beiräte und Geschäftsführer der Portfoliogesellschaften zusammenbringt. Kaiser: „Anfangs wurden die Möglichkeiten des Beirats, zur Wertschöpfung beizutragen, weniger genutzt. Das hat sich geändert, heute stehen die Beiräte immer mehr zwischen den Sitzungen zur Verfügung. Und das Gremium ist durch die Ergänzung mit Ingenieuren so zusammengesetzt, dass ein breites Fachspektrum abgedeckt werden kann.“

Die praktische Beiratsarbeit zielt in mehrere Richtungen. Als Teil der Organisation von Halder hat der Beirat eine Beratungsfunktion für das Investmentteam bei Strategiefragen und bei der Vorbereitung neuer Beteiligungen: In dieser Phase kommt die Erfahrung der Beiräte bei der Einschätzung der Managementqualität, von Betriebsabläufen oder Fabriken der Zielunternehmen zum Tragen. Kaiser: „Die Zusammenarbeit während der Due Diligence ist besonders intensiv, dann stehen wir oft im täglichen Kontakt.“ In den letzten Jahren hat Halder zusätzlich Senior Advisors hinzugezogen, die nicht Beiratsmitglieder sind, aber bei der Prüfung einer Beteiligung spezifisches Know-how mitbringen. So behält der Beirat eine übersichtliche Größe und kann bei Bedarf verstärkt werden.

Ist eine Transaktion abgeschlossen, gehen die Beiräte oft in das Aufsichtsgremium der neuen Beteiligung. Dieser Arbeitsschwerpunkt ist aus Sicht des Beiratsvorsitzenden besonders wichtig, „weil die Wertschöpfung nicht im Halder-Beirat, sondern in den Portfoliounternehmen entsteht. Als Aufsichtsräte sehen wir unsere Aufgabe in der Rolle des ehrlichen Maklers: Die Interessen von Portfoliounternehmen, Aufsichtsorgan und Investor sind nicht immer deckungsgleich, müssen aber angemessen vertreten werden.“

Dass die Investmentmanager bei einer Beteiligung parallel zum Fonds investieren, gehört zum MBO-Modell. Zum Modell von Halder gehört zusätzlich das Co-Investment der Beiräte und Senior Advisors. „Hier geht es darum, Interessen in Einklang zu bringen“, stellt Kaiser fest. „Wir dokumentieren damit unser Engagement für den Erfolg eines Investments, auf den alle hinarbeiten. Und bisher hat es sich immer gelohnt.“

Aufsichtsräte, die Miteigentümer sind und als Investorenvertreter umfassende Kompetenzen haben, aber nicht Erfüllungsgehilfen von Eigentümerinteressen sein wollen – ein latenter Konflikt? „Ernsthafte Konflikte sind aufgrund der Strategie von Halder, gut laufende Unternehmen ins Portfolio zu holen, wirklich selten“, stellt Kaiser fest. „Es geht darum, die Vermittlerrolle transparent und fair wahrzunehmen. Wenn Geschäftsführer ohne gute Begründung Akquisitionen vorschlagen, werden sie nicht genehmigt. Wenn neue Märkte auf anderen Kontinenten erschlossen werden sollen, aber das Potenzial vor der eigenen Haustür übersehen wird, sind wir für eine andere Reihenfolge. Aber Investitionen, die in die Finanzplanung passen, haben wir auch dann befürwortet, wenn sie nicht zur kurzfristigen Wertsteigerung beitragen, aber längerfristig für ein Portfoliounternehmen sinnvoll sind.“

Ab 2009 fand ein Generationswechsel im Halder-Beirat statt: Sechs Mitglieder schieden aus, aber die meisten blieben als Senior Advisor, im Verwaltungsrat oder über eine Funktion bei Portfoliounternehmen in Verbindung mit Halder. Die neuen Beiräte verbreitern das Branchenspektrum des Gremiums. Warum sie kommen? „Ex-Vorstände von großen Unternehmen kriegt man nicht wegen der Beiratshonorare oder des privaten Investments. Sie sind aus dem operativen Geschäft ausgeschieden und haben es nicht mehr nötig, sich irgendwo herumzuärgern – man muss sie begeistern. Und die unternehmerische Freiheit in einem mittelständischen Unternehmen, die bietet kein Konzern!“

Dr.-Ing. Wilfried Kaiser kommt aus der Motoren- und Fahrzeugindustrie, wichtige Karrierestationen waren Klöckner-Humboldt-Deutz, Xaver Fendt und das Vorstandsressort Schienenverkehrstechnik von ABB Deutschland. Er ist seit 2003 Mitglied des Halder-Beirats und dessen Vorsitzender seit 2004.