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Mittelstandsinvestor Halder vor weiterem Zukauf

6.4.2005

Neuer Fonds ist auf Deutschland konzentriert, Schwerpunkt Nachfolgeregelungen von Familienunternehmen

da. FRANKFURT, 5. April. Investitionen in den Mittelstand waren für die Branche der außerbörslichen Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) lange Zeit so etwas wie ein Yeti: Jeder sprach darüber, aber kaum einer hatte sie jemals gesehen. Doch zuletzt hat sich etwas getan in diesem Segment: In den vergangenen vier Jahren habe sich die Zahl sogenannter "Smaller Mid-Cap-Buyouts" - also Unternehmensübernahmen durch Finanzinvestoren im Volumen von 20 bis 125 Millionen Euro - mehr als verdoppelt, berichtet Paul de Ridder, Geschäftsführender Gesellschafter der Frankfurter Halder Beteiligungsberatung GmbH, im Gespräch mit dieser Zeitung. Angesichts der 11000 deutschen Unternehmen in dieser Größenordnung nimmt sich die absolute Zahl der Käufe durch Finanzinvestoren - 29 im vergangenen Jahr - freilich immer noch bescheiden aus.

Die großen amerikanischen Fonds, die derzeit durch milliardenschwere Übernahmen im Rampenlicht stehen, haben dabei keine Rolle gespielt: Mit rund 40 Prozent der Übernahmen seit 1998 hätten sich sechs britische und deutsche Finanzinvestoren den größten Teil dieses Kuchens abgeschnitten, sagte Ridder. Mit sieben Unternehmenskäufen in dieser Zeit zählt sich Halder hinter der britischen Wagniskapitalgesellschaft 3i und der börsennotierten Deutschen Beteiligungs-AG (DBAG) zu den bedeutendsten Spielern.

Mit frischen Geldern aus einem kürzlich geschlossenen Fonds steht Halder nun vor einem weiteren Zukauf. Bis Anfang Mai will de Ridder die exklusiven Verhandlungen über den Erwerb eines Familienunternehmens im Wert von 40 Millionen Euro abgeschlossen haben. Bis zu 15 Millionen Euro sollen aus dem Eigenkapital finanziert werden. Weitere Details könne er noch nicht verraten.

Insgesamt will die insbesondere auf Nachfolgeregelungen im Mittelstand spezialisierte Halder Beteiligungsberatung in diesem Jahr in Deutschland rund 40 Millionen Euro Eigenkapital ausgeben. Dazu stehen der Beteiligungsgesellschaft 155 Millionen Euro aus einem im Februar endgültig geschlossenen Fonds zur Verfügung. Das Einsammeln der Gelder hatte sich über mehr als anderthalb Jahre hingezogen. "Das war nicht sehr einfach", räumt de Ridder ein. Viele der Investoren - überwiegend Dachfonds, Pensionskassen und Banken - hätten aber das erste Mal in den deutschen Markt investiert, weshalb es einen großen Beratungsbedarf gegeben habe. Mit einem Fünftel des Investitionsbetrages ist auch die belgische Beteiligungsgesellschaft GIMV dabei, zu der Halder seit fünf Jahren gehört. Die börsennotierte GIMV konzentriert sich vor allem auf Wagniskapital, Gesundheitsbranche und Informationstechnologie.

Aus dem neuen Fonds hat Halder erstmals im August vergangenen Jahres ein Unternehmen gekauft: die Prüm Türenwerk GmbH in Weinsheim (Eifel). Dabei unterscheidet sich die Strategie von Halder deutlich vom Vorgehen der großen amerikanischen Fonds: Mit 35 bis 40 Prozent Eigenkapital setzt der Finanzinvestor weniger auf den "Leverageeffekt" - also die Steigerung der Eigenkapitalrendite durch einen hohen Schuldenanteil. Zudem kommt das Management des erworbenen Unternehmens besser weg: Statt einer Beteiligung von 2 bis 3 Prozent, wie bei großen Übernahmen durch angelsächsische Fonds üblich, erhalten die obersten Angestellten 20 bis 30 Prozent der Anteile. Dadurch offenbart sich mitunter auch eine zusätzliche Ausstiegsvariante für Halder, nämlich der Mehrheitserwerb durch das Management.

Entscheidend für den Zuschlag sei im Mittelstand häufig nicht der Preis, sondern das Vertrauen der oft in regionalen Strukturen verwurzelten Familienunternehmer in den Investor und seine Pläne. "Wir haben über unser gesamtes Portfolio hinweg kräftig Arbeitsplätze aufgebaut", ist dabei eines der Argumente de Ridders für Halder. Um Zugang zum investorenscheuen Mittelstand zu erhalten, sei darüber hinaus auch ein anderes Auftreten maßgeblich, weiß de Ridder. "Wenn Sie in Bielefeld mit drei schwarzen Limousinen mit Frankfurter Kennzeichen parken, dann weiß das ganze Dorf Bescheid. Das zu verstehen ist das Handicap vieler ausländischer Fonds."

Im Schatten

Mittelstandsinvestitionen durch Private Equity standen in den vergangenen Jahren im Schatten der großen Unternehmenskäufe, die schlagzeilenträchtiger waren. Dabei sind im Mittelstandssegment des Beteiligungsmarktes nicht nur ausländische Fonds engagiert, sondern auch zahlreiche deutsche Akteure - eigenständige Beteiligungshäuser wie Capiton, Granville, Odewald & Compagnie, die Deutsche Beteiligungs AG oder eben Halder. Daneben investieren aber auch manche Landesbanken in zumeist regionale Unternehmen.

Quelle: F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main