MBO@Halder

Chefsache

19.2.2013

„Der Erfolg von VAG in China ist zu mindestens 50% auf den Einsatz von Robert Fellner-Feldegg zurückzuführen – hohes Engagement des Topmanagements darf generell als Richtschnur für Unternehmen gelten, die hier Fuß fassen wollen.

Nach Erfahrung von Hans-Dieter Mertens müssen China-Projekte Chefsache sein – nicht nur weil sie dann mit dem notwendigen Nachdruck betrieben werden. „Traditionelle“ Hierarchien kommen chinesischen Erwartungen entgegen: Entschieden wird oben und der Chef muss sichtbar sein. Mertens: „Zu Beginn eines Projekts bedeutet das häufige, wenn nicht permanente Anwesenheit des Entscheiders vor Ort. Herr Fellner-Feldegg hat sogar drei Jahre lang neben der Fabrik gewohnt – mit Familie.“

Und doch ist es wichtig, frühzeitig mit chinesischen Managern zu arbeiten. Mertens hat oft gesehen, wie der Erfolg von Tochtergesellschaften in China durch fehlendes gegenseitiges Verständnis der Kulturen gefährdet werden kann. Das lässt sich vermeiden: am besten mit chinesischem Management, das von der Muttergesellschaft vor allem technisch unterstützt wird und in ein wirksames Controlling-System eingebunden ist.

Vorteile, die China bei den Arbeitskosten hatte, sind heute an den industrierelevanten Standorten kaum noch vorhanden, denn in den letzten Jahren sind die Löhne für gewerbliche Mitarbeiter um 10% p.a. gestiegen, im kaufmännischen Bereich noch stärker. „Die chinesische Regierung plant bis 2020 eine Verdoppelung der Löhne – das entspricht dann dem Niveau von Industriestandorten in Osteuropa“, stellt Mertens fest. „Die Qualifikation der Mitarbeiter ist besser geworden: In den 1980er Jahren musste man froh sein, jemand mit Englischkenntnissen zu finden. Heute werden die Anforderungen von Unternehmen besser erfüllt, allerdings fehlt dem Arbeitsmarkt die Tiefe.“

Das gilt besonders für die Besetzung von Toppositionen. Gute Kandidaten sind schwer zu finden, schwer zu halten und auch nach europäischen Maßstäben keineswegs billig. Bei der Nachwuchsrekrutierung arbeitet VAG auf zwei Ebenen: Die „VAG-Akademie“ ist ein internes Trainee-Programm, das sich an Interessenten mit höherer Schulbildung, flüssigem Englisch, guten PC-Kenntnissen und Berufserfahrung auf technischen Gebieten richtet, aber auch für Hochschulabsolventen gedacht ist.

Parallel dazu besteht eine Kooperation mit der Tongji-Universität in Schanghai, an der rund 45.000 Studenten eingeschrieben sind. Die naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtete Universität untersteht direkt dem Bildungsministerium und gehört zu den Hochschulen mit staatlicher Schwerpunktförderung. VAG unterstützt die Universität finanziell und vergibt regelmäßig Förderpreise für die besten Studenten der Hochschule und der Fakultät für Umweltwissenschaften. Auch die Präsenz an der Hochschule ist Chefsache: Robert Fellner-Feldegg wurde 2009 zum Gastprofessor ernannt.