MBO@Halder

Global denken, lokal produzieren

19.2.2013

Warum investiert ein mittelständischer Spezialist für Turboladerbauteile aus Europa in eine Fertigung in China? Weil seine Produktionsinfrastruktur dann alle großen Automobilmärkte abdeckt und daraus ein hochattraktives Angebot für die Zentraleinkäufer seiner Kunden entsteht.

Frankreich, Slowakei, Mexiko, China

CCN hat Erfahrung mit internationaler Produktion. Das Unternehmen aus dem französischen Thyez hat sich auf hochpräzise Bauteile und Komponenten für Abgasturbolader spezialisiert. Als Zulieferer der Automobilindustrie ist es Teil einer globalen Produktions- und Logistikinfrastruktur: Für die europäischen Fabriken von Turboladerherstellern wie BorgWarner, Honeywell, IHI und Bosch Mahle wird am Hauptsitz in der Nähe des Genfer Sees und in Považská Bystrica (Slowakei) produziert. Für die NAFTA-Länder gibt es seit 2006 in Mexiko, im unmittelbar an der Grenze zum US-Bundesstaat Kalifornien gelegenen Mexicali, eine eigene Produktion.

Kundenstandorte in China beliefert CCN bisher aus den bestehenden Fabriken. Das ändert sich gerade: Seit 2012 baut das Unternehmen im Großraum Schanghai eine Produktion auf, um auch den chinesischen Markt direkt zu versorgen. „Für uns ist das ein mutiger Schritt“, beschreibt Christophe Cau, Geschäftsführer von CCN, die Entwicklung. „Mit 700 Beschäftigten und 100 Mio. € Umsatz sind wir echte Mittelständler und die neue ‚Spannweite‘ stellt hohe Ansprüche an das Management. Keiner unserer direkten Wettbewerber hat vergleichbare Strukturen – dabei sind sie alle größer als CCN.“

Gesteuertes Wachstum

Was macht die chinesische Konkurrenz? Cau: „Es gibt so viele chinesische Anbieter, dass man gar nicht alle kennt! Diese Firmen sind ernst zu nehmen, aber ihre Kompetenz liegt eher im Bereich Metallguss als in der Bearbeitung. Sie liefern überwiegend an chinesische Hersteller, die andere technische Anforderungen stellen als die internationalen Marktführer.“ Das kann sich im Zuge der Weiterentwicklung chinesischer Automobilfirmen ändern, aber bisher vereinnahmen die internationalen Autofirmen und ihre Zulieferer den wesentlichen Teil des Marktwachstums. Für die Autobranche haben die hohen Wachstumsraten der letzten 20 Jahre China zu einer wesentlichen Stütze des globalen Geschäfts gemacht: Allein 2011 rollten dort über 18 Mio. Fahrzeuge vom Band, darunter 14,5 Mio. Pkw.

Entscheidender Faktor: Qualität

Da industrielle Produktionsprozesse nach westlichem Muster in China nicht überall verankert sind, wird die technische Leitung der neuen Fabrik aus Frankreich kommen, Management und Produktionsmitarbeiter dagegen aus China. „Wir werden die Mitarbeiter umfassend und intensiv schulen, Prozesse für neue Produkte erst in Europa etablieren, dann in China duplizieren und danach die Stückzahlen der lokalen Fertigung schrittweise erhöhen“, beschreibt Cau den Weg. Im zweiten Quartal 2013 soll die Produktion zunächst mit 40 Mitarbeitern anlaufen. Mittelfristig wird ein deutlicher Ausbau erforderlich sein: An den Standorten, deren Produktionsprogramm und Nachfragepotenzial grundsätzlich vergleichbar sind, ist die Belegschaft um ein Vielfaches größer – in Mexiko hat CCN 110 Mitarbeiter, in der Slowakei sind es 200.