MBO@Halder

Internationalisierung – Pflicht oder Kür?

19.2.2013

Eigentlich ist das gar keine Frage: Deutsche Unternehmen haben zwar einen substanziellen und seit den 1990er Jahren deutlich vergrößerten Binnenmarkt. Aber die Wirtschaftsentwicklung des Inlands zeigt, dass sich viele Unternehmen nicht auf die Märkte zuhause und in den Nachbarländern verlassen dürfen, wenn sie wachsen wollen: In den letzten zehn Jahren hat das BIP – teilweise bedingt durch die Rezession von 2008/09 – nach Berechnung von Destatis im Jahresdurchschnitt um lediglich 1,1% zugenommen.

Europa ist immer noch die wichtigste Exportregion – 60% der deutschen Ausfuhren gehen in die Nachbarländer, vor allem nach Frankreich. Die Bedeutung anderer Märkte wächst: im Osten Europas Polen, Russland und Tschechien; außerhalb Europas sind die USA größter Abnehmer, dann folgt – mit immer kleiner werdendem Abstand – China.

Dynamische Auslandsinvestitionen

Es geht aber längst nicht mehr nur um den Export in Deutschland hergestellter Produkte. Nach den Jahren, in denen Unternehmen Teile ihrer Fertigung in Niedriglohnländer verlagerten, zielten Direktinvestitionen im Ausland stärker auf die Einrichtung kompletter Wertschöpfungsketten, um die Nachfrage der lokalen Märkte zu nutzen. Diese Phase ist keineswegs abgeschlossen. Laut einer Umfrage des Handelsblatt von 2012 ist die Investitionsdynamik in Asien besonders hoch: Mit 77 Mrd. € zielten knapp 8% der Auslandsinvestitionen deutscher Firmen auf diese Region, der Anteil Chinas lag bei 10 Mrd. €. Ein Jahrzehnt zuvor waren erst 900 Mio. € nach China geflossen.

Aber die Entwicklung verlangsamt sich: 2012 sind die weltweiten Direktinvestitionen des Auslands in China etwas gesunken – auf 111,7 Mrd. US$ – und künftig könnten Länder wie Indonesien oder Vietnam attraktiver werden: Dort sind z. B. die Lohnkosten niedriger. China will auch deshalb gar nicht mehr die „Werkbank der Welt“ sein. Eine „Lokomotive“ bleibt das Land trotzdem: Sein BIP ist 2012 um 7,8% gewachsen und die Weltbank erwartet ein Plus von 8,4% für 2013 – von den großen Volkswirtschaften der Welt schafft das keine. Bei diesem Potenzial kann das „chinesische Wirtschaftswunder“ auch nach über 30 Jahren weiter anhalten: Der Strukturwandel ist erst im Osten in nennenswertem Ausmaß vollzogen, für große Teile der Bevölkerung soll neuer Wohlstand noch kommen; China will eine Industrienation werden, ist aber noch nicht am Ziel.

Wo liegt das Wachstumspotenzial?

Für Unternehmen aus Deutschland sind Auslandsmärkte Kernmärkte, das gilt besonders für Mittelständler. Und das Potenzial für die internationale Expansion ist nicht ausgeschöpft. Welche Chancen China dabei bietet, zeigen zwei Beispiele: VAG ist ein führender Hersteller von Großarmaturen für die Wasser- und Abwasserwirtschaft, den Halder beim Ausbau von Produktion und Vertrieb in China begleitet hat. Der Turboladerspezialist CCN etabliert jetzt mit Unterstützung von Halder eine Fertigung von Präzisionsbauteilen in der Nähe von Schanghai.