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Markt: Konzentration auf das Wesentliche

17.6.2013

In den nächsten Jahren werden Beteiligungsinvestoren wichtiger für den Mittelstand: Basel III verengt Finanzierungsspielräume und der Bedarf an Eigenkapital steigt.

Im vergangenen Jahr haben Finanzinvestoren weniger als 40 Mehrheitsbeteiligungen im Mittelstand abgeschlossen, damit ist dieses Segment des Beteiligungsmarkts auf das Niveau von 2010 zurückgefallen. Der Boom des vergangenen Jahrzehnts, in dem sprudelnde Kreditquellen den Aufschwung beflügelten, scheint vorbei zu sein. Die Marktentwicklung von 2012 ist weitgehend ein Ergebnis von Finanzierungsengpässen, denn die Bereinigung im Bankensystem nach der Krise hat die Rahmenbedingungen für Akquisitionsfinanzierungen geändert und entsprechend konservativ sind die Finanzierungsstrukturen. Die grundsätzlich knappere Kreditversorgung ist Teil des Umfelds für Beteiligungsinvestoren, bis Banken die Kreditvergabe wieder lockern können.

Eine „neue Welt“ für den Mittelstand?

Es kann noch einige Zeit vergehen, bis dieser Punkt erreicht ist: Die unter dem Stichwort „Basel III“ bekannten Regulierungsmaßnahmen, die als Konsequenz aus der Finanz- und Wirtschaftskrise von den Banken deutlich mehr Eigenkapital im Verhältnis zum Geschäftsvolumen verlangen, sollten ursprünglich Anfang 2013 in Kraft treten. Das wird sich möglicherweise um 12 Monate verschieben, da einzelne Vorschriften noch nicht endgültig formuliert sind. Auch dann gibt es etwa für die Einhaltung des „Liquiditätspuffers“, der Banken im Krisenfall die Aufrechterhaltung des Geschäfts ermöglichen und weitere Rettungsmaßnahmen unnötig machen soll, mehrjährige Übergangszeiten. Die Unsicherheit hinsichtlich des Bankensystems und daraus folgender Einschränkungen bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen könnte also anhalten.

Die Eigenkapitalausstattung des Mittelstands hat sich im vergangenen Jahrzehnt zwar von rund 20 % auf über 29 % verbessert. Der letzte Zuwachs fiel allerdings mit der Finanz- und Wirtschaftskrise zusammen und war eher eine Folge von Investitionszurückhaltung und reduzierter Umlaufvermögen. Seit dem Höchststand von 2009 ist die Eigenkapitalquote bei erneut wachsender Wirtschaft 2010 wieder rückläufig.

Reichen die Eigenmittel, wenn Banken nach Einführung von Basel III deutlich weniger Kredite vergeben können – oder wollen, weil andere Geschäftsbereiche mehr Ertragspotenzial bieten? Und wenn nicht: Haben Geschäftsmodelle, Strategien, Geschäftspläne und Kennzahlen die Qualität, die für erfolgreiche Kreditverhandlungen unter erschwerten Bedingungen notwendig ist? Es geht um viel: In den letzten fünf Jahren, d. h. unter Berücksichtigung des geringeren Bedarfs während der Krise, hat der Mittelstand ein Kreditvolumen von durchschnittlich 83 Mrd. € pro Jahr zur Finanzierung von Investitionen aufgenommen.

Schwachstellen werden bei einem möglichen negativen Konjunkturszenario sichtbar, auf das der Mittelstand vorbereitet sein sollte: Wie stehen die Unternehmen da, wenn die Ertragskraft bei schlechterer Geschäftsentwicklung nachlässt, z. B. im Zusammenhang mit einer erneuten Verschärfung der Eurokrise?

Eine funktionierende Partnerschaft

Bei diesen Vorzeichen werden Beteiligungsinvestoren für den Mittelstand wichtiger: als Eigenkapitalgeber, Begleiter der Unternehmensstrategie, Katalysatoren des Wachstums und Partner in der Krise. Die Entwicklung der Portfoliogesellschaften von Halder zeigt, dass diese Zusammenarbeit funktioniert. Fünf der Unternehmen aus dem Portfolio von Halder-GIMV Germany wurden zwischen Ende 2006 und Anfang 2008 übernommen, d. h. unmittelbar vor der Krise: ACTech, ADA, Alukon, GEKA und VAG. Nachdem sie gut durch die Rezession gekommen waren, konnten inzwischen alle Firmen mit im Durchschnitt zweistelligen jährlichen Renditen an strategische Käufer oder Finanzinvestoren verkauft werden.