MBO@Halder

Halbjahreszeugnis

15.9.2014

Sommerzeit ist Zeugniszeit, allerdings nur in der Schule. Im Portfolio von Halder geht es darum, wie weit die Beteiligungen mit ihrer Strategie gekommen sind – ein Überblick zum Ende des ersten Halbjahres 2014.

Kaufen und wachsen

Aqua Vital gehörte schon bei Übernahme durch Halder zu den führenden Anbietern von Wasserspendern in Deutschland. In diesem zweigeteilten Markt – Wasserspender mit Wechselbehältern (BWC – „Bottled Water Coolers“) sowie fest an Wasserleitungen angeschlossene Systeme (POU – „Point Of Use“) – geht es vor allem darum, rechtzeitig eine dominante Marktposition zu sichern. Dieses Ziel wurde für das BWC-Segment im Mai 2014 durch die Übernahme des Mitbewerbers revos erreicht. Da sich Vertriebs- und Kundenstrukturen der Unternehmen gut ergänzen, erreichen sie zusammen eine wesentlich breitere Marktabdeckung und einen Marktanteil von 40%.

Bei Keymile steht die Verbreiterung der Kundenbasis im Vordergrund. Das Unternehmen konzentriert sich auf Zugangssysteme für Kommunikationsnetze und baut neben dem Stamm an Telekomkunden eine Marktposition im Infrastruktursektor auf, z.B. in Stromversorgung und Transportindustrie. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, wurde Ende 2013 Hytec Gerätebau übernommen, ein Spezialist für Nachrichtentechnik in der Langstreckenkommunikation. Mit dessen Produkten und Technik kann Keymile neue Systeme für Infrastrukturkunden wesentlich schneller auf den Markt bringen.

Auch andere Beteiligungen sondieren ihre Märkte auf mögliche Übernahmen. Nicht nur, weil sie nach Bausteinen für ihre Strategie suchen – sie arbeiten auch oft in Märkten mit vielen kleinen bis mittleren Anbietern und können jetzt Konsolidierungschancen nutzen. Unter dem Aspekt der Unternehmenswertsteigerung leisten Akquisitionen oft noch mehr positive Beiträge, denn Marktführer oder Unternehmen mit kritischer Masse erzielen tendenziell eine bessere Bewertung. Da die Zahl von Zusatzakquisitionen am Deal-Flow von Halder deutlich zugenommen hat, sind weitere Zukäufe durchaus möglich.

Wachstum von innen

Akquisitionen können strategisch sinnvoll sein, es geht aber auch anders. Bei Bottega Manufatturiera Borse, einer italienischen Manufaktur, die hochwertige Lederartikel herstellt, entsteht Wachstum aus der Verbreiterung des Geschäftsmodells: Im September 2013 im Zuge einer Nachfolgelösung durch einen MBI übernommen, baut BMB die Eigenmarke „Gianfranco Lotti“ für Endkunden auf und entwickelt damit ein zweites Standbein neben dem B2B-Geschäft mit bekannten Luxusmarken. Vertriebsvereinbarungen für die wichtigen Märkte in China und Korea sind unter Dach und Fach, die handwerkliche Produktion wird ausgebaut. Die Markenwelt von „Gianfranco Lotti“ ist weitgehend konkretisiert, wie die neue Website des Unternehmens zeigt, und die erste Kollektion wurde Anfang Juli 2014 im neuen Flagship-Store in Paris gezeigt. Im laufenden Jahr sollen noch mehr Geschäfte eröffnet werden.

Wback, der Hersteller von Softbrötchen für Hamburger und Hotdogs, hat eine entscheidende Ausbaustufe der Produktion abgeschlossen: Die Kapazität der Großbäckerei in Bönen ist durch eine neue Backstraße um rund 300 Mio. Brötchen auf bis zu 600 Mio. Brötchen pro Jahr gestiegen. Den zweiten Produktionsstandort in Süddeutschland eingeschlossen, liegt die Gesamtkapazität jetzt bei rund 900 Mio. Stück. Die neue Anlage ist eine der modernsten in Europa, ermöglicht – wie die vorhandenen – einen vollautomatischen, kontinuierlichen Betrieb und wird von weniger als 20 Mitarbeitern bedient. Anlass für den Ausbau war die starke Nachfrage aus Systemgastronomie und Lebensmitteleinzelhandel.

Turbolader-Spezialist CCN treibt den internationalen Ausbau der Produktion weiter voran. Im Sommer 2013 wurde eine Fabrik in Taicang nahe Schanghai eröffnet, damals mit 25 Mitarbeitern. Im Lauf des zweiten Halbjahres begann die Serienproduktion, inzwischen ist der Personalstand auf 35 Personen gewachsen und das Werk arbeitet profitabel. In der Slowakei hat CCN zur Sicherung langfristiger Kapazitäten für die europäische Fertigung hochpräziser Bauteile die nächste Baustelle eröffnet: Da der aktuelle Standort in Povaszka Bystrica zu klein geworden ist und nicht erweitert werden kann, beginnt im Sommer 2014 an der slowakisch-tschechischen Grenze der Bau eines neuen Fertigungs- und Bürogebäudes. Dafür hat CCN ein Grundstück mit mehr als 50.000 m2 Fläche gekauft, das Gebäude soll zunächst eine Gesamtfläche von rund 10.000 m2 haben. Reserven sind vorhanden: Die Gebäudefläche kann bei Bedarf stufenweise mehr als verdoppelt werden.

Auch bei Helmut Klingel wird in näherer Zukunft gebaut: Der Spezialist für die CNC-Bearbeitung hochfester Werkstoffe hat zwar seit 2012 nicht nur hohes Wachstum erreicht, sondern auch die Produktivität gesteigert. Aber in der Medizintechnik, einem der Hauptmärkte von Klingel, nimmt die Tendenz zum Outsourcing zu und diese Kunden wollen ihre Lieferantenbasis verkleinern. Damit wächst das Umsatzpotenzial und das Unternehmen hat sich bei gut gefüllten Auftragsbüchern bereits ein Grundstück zur Erweiterung der Fertigung gesichert.