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Sozialorganisationen stärken und leistungsfähiger machen – auf die unternehmerische Art

15.9.2014

Organisationen mit sozialen, umweltbezogenen, medizinischen oder kulturellen Aufgaben haben meist ein starkes Problembewusstsein und eine klare Mission. Ihre Durchschlagskraft könnte dagegen oft höher sein. Pieter Oostlander, Vorsitzender der EVPA, zeigt Ansätze für Veränderungen.

Venture-Philanthropie zielt vor allem auf mehr Kapazität für Sozialorganisationen – also investiert VP in Verwaltung statt in Projekte?

Auf den ersten Blick sollten wahrscheinlich Projekte zuerst kommen. Anhaltender Druck auf die Verwaltung hat viele Sozialorganisationen aber in eine schwierige Lage gebracht. VP arbeitet auf eine stärkere Infrastruktur hin, damit sie bessere Ergebnisse erzielen können. In der Wirtschaft wird darüber nicht lange nachgedacht: Mehr Ressourcen verbessern die Leistung. VP verspricht sich von einer besseren Verwaltung bessere Ergebnisse.

Klappt das in der Praxis?

Die aktuelle Antwort darauf ist ein qualifiziertes „Ja“. In Europa ist VP ja noch jung – unser Verband besteht erst seit 2004. Inzwischen sind wir aus der Pionier-Phase heraus, aber noch längst kein reifer Sektor. Die Arbeitsweise hat sich in der Wirtschaft bei vielen Unternehmen bewährt, die von Venture-Capital- und Private-Equity-Investoren finanziert wurden. Wirklich belastbare Nachweise für einen erfolgreichen Transfer auf den Sozialsektor haben wir noch nicht. Die EVPA sammelt seit 2009/2010 die notwendigen Informationen und unsere vierte Jahresanalyse läuft gerade. Die Bewertung stützt sich also vor allem auf Fallstudien, aber deren Tendenz spricht dafür, dass VP funktioniert. So unterstützt „Inspiring Scotland“ ein Portfolio von 60 Organisationen und laut einer aktuellen unabhängigen Analyse haben sich Kernaspekte wie Leistungsabgabe, Managementqualität und Tragfähigkeit der betreffenden Organisationen signifikant verbessert.

Wie anpassungsfähig ist Venture-Philanthropie?

Ich bin jetzt seit zehn Jahren dabei und kenne keinen Fall, in dem der VP-Ansatz nicht funktioniert hätte. Er scheint sogar mit den Bedingungen in Kultur und Kunst zurechtzukommen, wie sich vor kurzem in Großbritannien gezeigt hat. Vermutlich werden aber Unterschiede zwischen spendenfinanzierten und investmentbasierten Projekten bleiben, weil sich der Investmentansatz besser für bestimmte Teilgebiete eignet.

Ist der Transfer schwierig?

Wenn man den Praktikern folgt, gehört Wissenstransfer zu den größten Schwierigkeiten überhaupt! Eigentlich ist das keine Überraschung, weil der VP-Ansatz sehr von seiner unternehmerisch-wirtschaftlichen Logik überzeugt ist. Das kann auch genau das sein, was einer traditionellen Sozialorganisation fehlt. Man darf aber nicht vergessen, wie stark sich diese Organisationen mit ihrer Aufgabe identifizieren! Bessere Ergebnisse setzen daher voraus, dass beide Seiten ihre Position relativieren – erst ein Lernprozess führt zur richtigen Mischung.

Wie wird sich Venture-Philanthropie weiterentwickeln?

Unsere jährlichen Umfragen deuten auf einen positiven Trend hin: Die verfügbaren Mittel und der Personalstand haben seit der Finanz- und Wirtschaftskrise zugenommen – gegen den schwachen gesamtwirtschaftlichen Trend in Europa. Soweit für uns erkennbar, kompensieren andere, was an öffentlichen Sozialausgaben gekürzt wurde. Auf jeden Fall gibt es noch wesentlich mehr Geldgeber, die sich an diesem Ausgleich beteiligen könnten! Hier liegt die Hauptrolle der EVPA: breiter bekannt machen, was Venture-Philanthropie leisten kann, und dadurch den Mittelzufluss für den Sektor vergrößern.

Wer sollte mehr darüber wissen?

Viele – Finanzinvestoren, Privat- und Großanleger, Stiftungen, Sozialorganisationen und öffentliche Institutionen. Im Grunde ist es ja nicht schwer zu verstehen: Lassen Sie Ihr Geld härter arbeiten! Trotzdem ist VP bei der Vermögensallokation nicht für den Teil des Kapitals gedacht, der die höchsten Renditeansprüche erfüllen soll. Aber z.B. für traditionelle Akteure im Sozialsektor kann VP ein Weg sein, mit weniger Ressourcen zurechtzukommen. Und wenn man sich die Teilnehmerzahlen der EVPA-Konferenzen, von Workshops und Trainingsakademie ansieht, nimmt das Interesse eindeutig zu.