MBO@Halder

(Nicht) alles ist relativ

10.7.2015

Wo ist das Wachstum?

Wesentlicher Grund dafür: Die Transformation Chinas in eine moderne Industriegesellschaft ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie wird eher schneller als langsamer weitergehen, wenn es der chinesischen Regierung annähernd gelingt, ihr reduziertes Wachstumsziel zu erreichen, das derzeit im Bereich von 7% liegt.

Für die Wirtschaft in Deutschland kann man das nicht sagen, denn dort erwartet der IWF Stagnation auf hohem Niveau. Märkte wie China bieten daher unverändert gute Chancen für deutsche Mittelständler, zumal die aktuelle Euroschwäche ihnen hilft.

Chancen sind auch auf längere Sicht vorhanden, denn der staatlich gelenkte Umbau der chinesischen Wirtschaft soll zu nachhaltigerem Wachstum führen, das weniger vom Export als von Binnenkonsum, Dienstleistung und Innovation getragen wird. In diesem Zusammenhang sollen private Unternehmen und ausländische Investoren eine größere Rolle spielen, z. B. sind deutlich weniger Einschränkungen für ausländische Investments vorgesehen.

China als Auslandsinvestor

Wie sehr sich die Situation geändert hat, zeigen die steigenden Auslandsinvestitionen Chinas. Nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums haben sie sich zwischen 2009 und 2013 auf über 90 Mrd. US$ verdoppelt. Bei einem zuletzt stagnierenden Zufluss ausländischer Investitionen nach China, die 2013 rund 118 Mrd. US$ erreichten, kann die Volksrepublik mittelfristig zum Netto-Investor werden.

Deutschland ist ein beliebtes Zielland: Insgesamt nahmen chinesische Firmen von 2009 bis 2013 über 300 Neuansiedlungen vor, in den USA waren es annähernd 200, Großbritannien kam als nächstes EU-Land auf gut 60. Das Interesse wächst und zeigt sich inzwischen auch in Form von Akquisitionen – 2014 realisierten chinesische Investoren über 200 Projekte in Deutschland (190 Neugründungen, 21 Akquisitionen) und waren damit die zweitstärkste Gruppe hinter US-Adressen. Eine Marktstudie von Prognos geht davon aus, dass diese Investitionen bis 2020 auf einen Wert von 2 Mrd. US$ steigen und vor allem in innovations- und technologiegeprägte Bereiche fließen werden. Soweit dies Akquisitionen im Mittelstand betrifft, könnte man eine Option für Nachfolgelösungen darin sehen.

Aber es geht wohl um mehr als Kapital: Wer an „made in Germany“ interessiert ist, möchte auch wissen, wie die deutsche Kostensenkungs- und Innovationspraxis funktioniert. Die Antwort lautet – schrittweise. Auf der Investorenseite verlangt das mehr Geduld und längere Lernkurven, als wachstumsverwöhnte chinesische Manager bisher kennen, impliziert aber auch langfristiges Engagement.