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Halbjahreszeugnis 2015

15.1.2016

Wie haben sich die Halder-Beteiligungen zuletzt entwickelt? Ein Überblick nach der ersten Jahreshälfte.

Das aktuelle „Halbjahreszeugnis“ sagt auch etwas über das gesamte Portfolio: Seit Mitte 2014 hat es Zuwachs bekommen, inzwischen gehören Amoena und PRAE-TURBO dazu. Mit den neuen Investitionen hat Halder die Portfolio-Diversifikation verbreitert, denn Amoena ist die Nr. 1 in einem Teilbereich der Healthcare-Branche. Das Engagement bei Automobilzulieferern wurde zugleich vertieft, denn PRAE-TURBO stellt Komponenten für Abgasturbolader her – aber andere und mit anderen Verfahren als CCN, ein weiterer Spezialist für Turbolader-Bauteile, der seit 2011 im Portfolio ist.

Amoena ist ein etabliertes Unternehmen: 2015 besteht es seit 40 Jahren und wurde in dieser Zeit zum Weltmarktführer bei Prothesen für Frauen nach einer Brustamputation. Heute werden über eine halbe Million Patientinnen in mehr als 80 Ländern betreut. Der Vertrieb erfolgt in der Regel über Krankenhäuser, Kliniken und den spezialisierten Fachhandel, traditionelle Partner in Deutschland sind die Sanitätshäuser. Mit Halder verfolgt das Management vor allem zwei Projekte: Erstens wird das Produktangebot von Brustprothesen und dazu passender Wäsche in die Bereiche Sport- und Freizeitbekleidung ausgeweitet, um die Bedürfnisse der Zielgruppe breiter abzudecken. Als Reaktion auf das veränderte Einkaufsverhalten der Kundinnen werden außerdem die Optionen für die Marktbearbeitung gemeinsam mit den bestehenden Vertriebspartnern durch Shop-in-Shops und E-Commerce erweitert. Bis Ende 2015 sollen 20 Shop-in-Shops an den Start gehen (fünf davon wurden bereits eröffnet).

Aqua Vital, in Deutschland einer der Marktführer für kommerzielle Wasserspender, stattet Unternehmen, Behörden und Institutionen mit leitungsgebundenen Spendern bzw. Geräten mit Wechselbehältern aus und bietet seinen Kunden Komplettlösungen für die anschließende Wasserversorgung. Dreh- und Angelpunkt des Geschäftsmodells ist die Vermietung, die dem Unternehmen eine breite Basis für laufende Einnahmen sichert: Über 90 % der Umsätze entstehen aus Mieteinnahmen, der Nachlieferung frischer Wasserbehälter und dem Service. Wie in den Jahren zuvor hat Aqua Vital auch 2015 den Wert der abgeschlossenen Verträge weiter erhöht, zum Ende des ersten Halbjahres lag er bereits deutlich über dem Niveau des gesamten Vorjahres. Ebenfalls positiv: Über die Hälfte der neuen Kunden schließen Verträge mit einer Laufzeit von drei bis vier Jahren ab – eine stabile Basis für die mittelfristige Entwicklung.

Die Neuorientierung von Bottega Manifatturiera Borse (BMB) geht weiter voran: Ausbau und Stärkung der Unternehmens- und Führungsstrukturen sind weitgehend abgeschlossen und die Fertigungstiefe wird zur Verbesserung der Wertschöpfung erhöht. Bis zum Jahresende werden weitere Stores für die neue Luxusmarke „Gianfranco Lotti“ eröffnet – nach Paris, Florenz und Mailand geht es weiter in Nahost (Dubai, Doha) und Asien (Seoul). Kundenverkehr und „Conversion Rate“ – der Anteil von Besuchern, die zu Käufern werden – sind im Jahresverlauf deutlich gestiegen, d. h., die Umsätze mit der neuen Marke beginnen, zum Geschäft von BMB beizutragen. Im traditionellen Industriegeschäft mit anderen Luxusmarken reagieren die Kunden auf das langsamere Wachstum in Russland und Teilen von Asien mit einer Konsolidierung ihrer Lieferantenbasis. Voraussichtlich wird BMB als einer der zuverlässigsten Hersteller von Luxushandtaschen die Absatzbasis im Zug dieser Veränderungen verbreitern.

CCN, die ältere der beiden Beteiligungen von Halder bei Komponenten für Abgasturbolader, hat im ersten Halbjahr den Transfer von Maschinen in die neue Fabrik in der Slowakei abgeschlossen. Mit einer Gesamtinvestition von rund 8 Mio. € wurde eine Produktionsfläche von 10.000 m2 bereitgestellt, die ausreichend Wachstumsreserven für die Zukunft bietet – derzeit nicht genutzte Flächen lassen sich bei Bedarf sukzessive mit Anlagen zur Metallbearbeitung bestücken. Möglicherweise wird dieser „Puffer“ bald gebraucht: Der laufende Auftragseingang von Zulieferern, die Abgasturbolader als Gesamtsysteme für Automobilhersteller anbieten und dabei hochpräzise Komponenten wie Wellen und Turbinenräder von CCN verbauen, lässt auf eine deutliche Ausweitung des Geschäfts für 2016 schließen.

Neue Marschrichtung: Keymile entwickelt Zugangssysteme für Kommunikationsnetze, bisher für Telekom-Anbieter und für Unternehmen aus Branchen wie Energie und Versorgung. Da der Telekom-Sektor unter Wachstums- und Ertragsaspekten nicht mehr so attraktiv ist wie in früheren Jahren, hat Keymile mit einem veränderten Management die Prioritäten anders gesetzt – in Zukunft soll das Potenzial im Bereich Unternehmensbetriebsnetze stärker genutzt werden. Hier sind die Entwicklungschancen besser, denn Systeme von Keymile sind entscheidende Schaltstellen in der Kommunikationsinfrastruktur von Unternehmen – entscheidend im Sinn von „anwendungskritisch“: Ohne permanente Datenkommunikation gäbe es erhebliche Ausfallrisiken für Unternehmensabläufe. Nicht zuletzt dann, wenn die Kommunikationsinfrastruktur modernisiert wird, z. B. durch Umstellung von älterer Technik auf Internet-Protokolle – für viele Firmen noch eine Riesenaufgabe. Einer der Vorteile von Keymile-Systemen besteht darin, ältere und neuere Technologien auf einer Plattform gleichzeitig zu unterstützen und bei der Modernisierung den Betrieb sicherzustellen.

Auch Klingel hat seine Marschrichtung neu ausgerichtet. Das Unternehmen ist Spezialist für die CNC-Bearbeitung von schwer zerspanbaren Metallen wie Titan und hochveredelten Stahlsorten. Sie werden z. B. in der Medizintechnik eingesetzt, wenn es auf die Standfestigkeit von Komponenten ankommt. Seit dem ersten Halbjahr 2015 führt Klingel den Zusatz „medical metal“ im Firmennamen, der die stärkere Ausrichtung auf Medizintechnik signalisiert. Schon in früheren Jahren waren Unternehmen aus der Zahntechnik wichtige Kunden, jetzt ist Klingel dabei, die Kunden- und Absatzbasis auf andere Anwendungsgebiete auszudehnen. In diesem Zusammenhang wurden bereits mehrere Zukäufe geprüft, aber der richtige Partner – ein Spezialist für Medizintechnik sollte es schon sein – ist noch nicht gefunden.

Am Markt für Abgasturbolader, die Motoren für LKW und PKW zu mehr Leistung und/oder besseren Verbrauchs- bzw. Emissionswerten verhelfen, wird in den nächsten fünf Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten gerechnet – Verbrennungsmotoren müssen sauberer und sparsamer werden. PRAE-TURBO, Halders zweite Beteiligung im Bereich Komponenten für Abgasturbolader, profitiert mit gerade ausgebauter Produktionskapazität und neuester Technik deutlich von diesem Trend: Umsatz und Ergebnis wachsen ebenfalls zweistellig, für 2015 wird ein Plus von 15 % bis 20 % erwartet. Das Unternehmen produziert bisher ausschließlich an einem Standort in Norddeutschland, bereitet aber in Zusammenarbeit mit CCN, dem anderen Spezialisten für Turbolader-Komponenten im Halder-Portfolio, eine Internationalisierung der Fertigung vor: Zunächst in Mexiko, danach auch in China, sind zusätzliche Fertigungskapazitäten geplant, um nordamerikanische und asiatische Märkte direkt zu beliefern. CCN ist hier bereits mit eigenen Fabriken aktiv.

Wback, die Großbäckerei für Hamburger- und Hot-Dog-Brötchen, war in den letzten Jahren mit Flexibilität erfolgreich: Das Unternehmen, dessen Hauptkunden aus der Systemgastronomie kommen, arbeitete 2013 mit zwei hochmodernen Produktionsstandorten in Nord- und Süddeutschland hart an der Kapazitätsgrenze und erweiterte 2014 die Bäckerei am Hauptsitz Bönen um 50 %. Da in diesem Marktsegment vorübergehend eine unerwartet niedrige Nachfrage entstand, reagierte Wback mit einer Verbreiterung der Kundenbasis im Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) und lastete die Produktion wieder aus. Da sich die neuen Kundenbeziehungen festigen und der LEH etwa bei der Verpackung andere Anforderungen stellt als die Systemgastronomie, folgen 2015 weitere Anpassungsschritte, u. a. durch Ausbau von Konfektionierung und Logistik. Mittlerweile kehrt die Nachfrage aus der Gastronomie auf den ursprünglichen Wachstumspfad zurück und zugleich findet eine Konsolidierung der Produktionskapazitäten in den für Wback relevanten Marktsegmenten statt – die Wachstumsaussichten bleiben gut.