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Auf dem Weg zur „Nachhaltigkeits-Dividende“

14.9.2012

Vor einigen Jahren wurden „3-Liter-Autos“ noch belächelt, heute nicht mehr. Die Bestimmungen zu Verbrauch und Schadstoffemissionen werden strenger und da alternative Antriebskonzepte nur bedingt marktreif sind, optimiert die Automobilindustrie den Verbrennungsmotor weiter. Dazu werden – neben einer Vielzahl von Maßnahmen am gesamten Fahrzeugkonzept zur Verbrauchsreduzierung – Verbrennungsmotoren mit bis zu zwei Abgasturboladern pro Motor aufgeladen. Daraus entstehen Wachstumschancen für CCN, ein Management-Buy-Out von Halder aus dem Jahr 2011.

Die historischen und künftig vorgeschriebenen Werte für Verbrauchs- und Schadstoffgrenzen unterscheiden sich regional: Derzeit hat Japan die strengsten Verbrauchswerte, gefolgt von der EU und China bzw. Südkorea, die USA liegen dahinter. Beim CO2-Ausstoß ist die Situation vergleichbar. Unabhängig von einzelnen Grenzwerten ist die Zielsetzung an allen großen Automobilmärkten, Brennstoffverbrauch und Emission von Schadstoffen mittelfristig um rund 50 % zu reduzieren.

Mehr Technik für weniger Verbrauch

Um dieses Ziel zu erreichen, werden viele Verfahren verwendet, z. B. der Leichtbau: Eine tonnenschwere Mittelklasselimousine durch Verwendung von Aluminium statt Stahl leichter zu machen, spart Gewicht und Verbrauch. Systeme zur Überwachung des Reifendrucks können den Verbrauch um 4 % senken, moderne Doppelscheibenkupplungen schaffen 5 % – 15 %. Noch mehr Wirkung hat die Abgasaufladung; ihr Potenzial für Verbrauchssenkungen liegt als Folge des „downsizing“ von Verbrennungsmotoren auf geringere Hubräume und weniger Zylinder bei gleicher oder höherer Leistung bei 15 % – 30 %. Turbolader zur Abgasnachbehandlung in der Rückführungstechnologie einzusetzen führt außerdem zu einer weiteren Senkung der Partikel-Emissionen.

Die gesetzlichen Bestimmungen beziehen sich auf die „Flotte“ der Automobilhersteller, nicht auf Antriebstypen oder Fahrzeugmodelle. Daher wird die Abgasaufladung von Dieselmotoren – hier hat sich die Technik bei Nutzfahrzeugen schon in den 30er Jahren und bei PKW seit dem ersten TDI-Motor von AUDI (1975) bewährt – auf Benzinmotoren transferiert. In den nächsten Jahren kommen aufgeladene Benzinmotoren wie der TFSI – kurz für: Turbo Fuel Stratified Injection (Benzindirekteinspritzung mit Turboaufladung) – von VW in die Großserie, vor allem in den unteren und mittleren Marktsegmenten. Die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman rechnet weltweit bis 2017 mit einem Marktvolumen von annähernd 40 Mio. Lader-Einheiten (2010: 23,4 Mio.).

Seit Ende der 1980er Jahre ist CCN, 1986 als Clarino Corbex Numérique mit Hauptsitz Thyez/Frankreich nahe Genf gegründet, auf einbaufertige Komponenten und Bauteile sowie Präzisionsteile für Abgasturbolader spezialisiert. Fabriken in Frankreich, der Slowakei und Mexiko bedienen wichtige Absatzregionen der Autoindustrie direkt. 2011 erreichte der Umsatz 100 Mio. € und CCN beschäftigte über 700 Mitarbeiter: rund 300 davon an den Standorten in Frankreich, die sich auf die mechanische Bearbeitung und Montage von technisch anspruchsvollen Bauteilen konzentrieren. In der Slowakei stellen 300 Mitarbeiter einbaufertige Komponenten für den europäischen Markt her. Weitere 100 Mitarbeiter sind in Mexiko beschäftigt, hier erfolgt die mechanische Bearbeitung und Montage von Komponenten für Nordamerika.

Systemlieferant der Marktführer

CCN ist ein führender Systemlieferant für Turboladerhersteller wie die Marktführer Honeywell, Borg Warner und IHI. In den kommenden Jahren soll diese Position ausgebaut werden – durch permanente Innovation zur Erweiterung der Wertschöpfungskette und fortschreitende Internationalisierung. Als Systemlieferant ist CCN in einer besonderen Lage: Kundenbeziehungen sind eng und durch gegenseitige Abhängigkeit geprägt. Der Kunde muss sich auf Innovationskraft, Know-how, Qualität und Liefertreue von CCN verlassen können. Aber Branchentrends, die den Kunden treffen, machen sich auch bei CCN bemerkbar: Neben den zyklischen Absatzschwankungen ist es vor allem der permanente Kostendruck der Fahrzeughersteller, der an die Turboladerhersteller und deren Lieferanten weitergegeben wird. CCN reagiert darauf mit ständiger Prozess- bzw. Kostenoptimierung und Innovation.

Der Markteintritt von zwei neuen deutschen Anbietern erhöht den Wettbewerb unter den Turboladerherstellern: Bosch-Mahle und Continental-INA haben als etablierte und umsatzstarke Automobilzulieferer gute Chancen, im stark wachsenden Turbo-Markt für PKW-Ottomotoren, aber auch bei PKW-Dieselmotoren und Nutzfahrzeugmotoren Anteile zu erobern. Ihr Erfolg kann auch CCN zugutekommen, denn auch sie werden Teile der Produktion outsourcen, d. h. kleine und mittlere Serien extern vergeben.

Go East

In diesem Umfeld entsteht das Wachstumspotenzial für CCN aus mehreren Faktoren: Bisher kommt der größte Teil des Geschäfts aus dem Nutzfahrzeugsegment. Hier gibt es keine neuen Wettbewerber auf Kundenebene, vielmehr können Ausscheiden bzw. Probleme anderer Zulieferer den Auftragseingang von CCN erhöhen. Das Wachstum bei PKW-Turboladern bietet zusätzlich die Möglichkeit, das „PKW-Geschäft“ auszubauen. Um diese Chancen zu nutzen, führt der nächste Internationalisierungsschritt in die Wachstumsmärkte Asiens: Kunden in Indien und China sollen aus eigener lokaler Produktion beliefert werden. Die Fahrzeughersteller und ihre großen Zulieferer sind schon da, CCN zieht nach: Unterstützt durch Hans-Dieter Mertens, den Berater für Asia-Pacific bei Halder, wurde bereits ein neuer Standort unweit von Shanghai gefunden und ein chinesischer Manager eingestellt. Und ab 2015/16 macht die Regulierung in Indien und China den größten Schritt in Richtung Verbrauchs- und Schadstoffbegrenzung: Derzeit entsprechen die Bestimmungen der Euro-3-Norm, der Übergang auf Euro-6 ist beschlossen. Mehr Nachhaltigkeit im PKW-Verkehr Asiens bietet auf Jahre Wachstumspotenzial.