MBO@Halder

Ausbau & Aufbau

15.1.2016

CCN stellt Präzisionskomponenten für Abgasturbolader her. Bei steigender Nachfrage baut das Unternehmen seine Produktion stetig aus: 2013 mit einer neuen Fabrik in China, jetzt kommen deutlich größere Kapazitäten in der Slowakei dazu. Nächster Schritt ist eine internationale Produktionsallianz mit PRAE-TURBO, dem zweiten Turbolader-Spezialisten im Halder-Portfolio.

Der doppelte Wachstumsfaktor

Zunehmende Motorisierung, vor allem in Asien, treibt die Fahrzeugproduktion an: Marktexperten erwarten, dass 2018 mehr als 100 Mio. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gebaut werden. Immer mehr werden mit einem oder sogar zwei Turboladern ausgestattet sein, gegenüber einer Quote von derzeit einem Drittel wird mit einem Zuwachs auf deutlich über 40 % gerechnet. Vor allem bei PKW-Benzinmotoren wird der Turbo-Anteil kräftig steigen.

Warum? Die Bestimmungen zu Verbrauch und Schadstoffemissionen von Verbrennungsmotoren werden strenger. Zwar unterscheiden sich die Vorschriften für Verbrauchs- und Schadstoffgrenzen in den wichtigen Absatzländern, aber an allen großen Automobilmärkten sollen Brennstoffverbrauch und Schadstoffemission mittelfristig um rund 50 % reduziert werden.

Da alternative Antriebskonzepte bisher nur geringe Marktanteile haben, entwickelt die Industrie den Verbrennungsmotor weiter, um mit ihren Flotten die künftigen Grenzwerte zu erreichen. Abgasaufladung mit Turbolader-Systemen leistet dabei einen wichtigen Beitrag: Mit Turboladern können bei gleicher oder höherer Motorleistung Verbrauchssenkungen bis zu 30% erreicht werden. Außerdem reduzieren sie bei der Abgasnachbehandlung durch Rückführung die Emission von Feststoffpartikeln.

Spezialisierte Zulieferer profitieren

Diese Bedingungen bieten der Zulieferindustrie auf Jahre eine gute Perspektive. CCN, der Spezialist für hochpräzise Baugruppen für Abgasturbolader, ist ein führender Lieferant für Turbolader-Hersteller wie die Marktführer Honeywell, BorgWarner und IHI. Das Unternehmen produziert in Frankreich, der Slowakei, Mexiko und China.

Das Unternehmen ist in einer besonderen Situation: Die Kundenbeziehungen sind eng und von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt. Die Systemanbieter für Turbolader sind als Schlüsselzulieferer dort mit Fertigungsstandorten präsent, an denen die Autohersteller selbst produzieren. Indem CCN den Kunden nach 2013 China folgte, wurde die branchentypische Lieferkette hergestellt: Bauteile werden vor der Haustür der Kunden produziert und just-in-time geliefert. Damit bietet CCN den Kunden in allen wichtigen Absatzmärkten die gleichen Produkte und Leistungen.

Zugleich verschaffte sich das Unternehmen mit dem Schritt nach China Präsenz im weltweit drittgrößten Automobilmarkt. Er bietet aufgrund der Verschärfung von Verbrauchs- und Emissionsvorschriften und der im Vergleich zu Europa oder den USA geringen Durchdringung mit Turboladern auch dann Wachstumspotenzial, wenn die Motorisierung nicht so schnell fortschreitet wie in den vergangenen Jahren.

Erfolgsfaktor: internationale Produktion

Der Aufbau der Fabrik in China war das erste große Internationalisierungs- und Expansionsprojekt, das CCN und Halder nach dem MBO im Juli 2011 zusammen realisierten. 2014 wurde die nächste Erweiterung beschlossen und nach sechsmonatiger Bauzeit abgeschlossen: Am 25. Juni 2015 eröffnete CCN ein neues Werk in Belusa, Slowakei.

Auslöser für den Neubau war das steigende Auftragsvolumen, das die Kapazität des bestehenden slowakischen Produktionsstandorts in Povazska Bystrica in absehbarer Zeit überfordert hätte. Die neue, mit Investitionen von ca. 8 Mio .€ errichtete Fabrik ist 15 km vom früheren Standort entfernt und wird von der ebenfalls naheliegenden Gießerei des Unternehmens mit Rohlingen zur weiteren Bearbeitung versorgt.

CCN beschäftigt in den slowakischen Standorten rund 480 Mitarbeiter, davon ca. 300 in Belusa und plant 2016 ein zweistelliges Umsatzplus gegenüber dem laufenden Jahr auf über 50 Mio .€. Das neue Werk bietet mit einer Gesamtfläche von ca. 10.000 m2 ausreichend Kapazitätsreserven für weiteres Wachstum, die Beschäftigten aus der Metallbearbeitung und die vorhandene Maschinenausstattung wurden an den neuen Standort übernommen.

Nächster Schritt: Produktionsallianz mit PRAE-TURBO

CCN-Geschäftsführer Nicolas Trouche rechnet damit, dass die neuen Kapazitäten 2016 gebraucht werden. Aufgrund des starken Auftragseingangs zeichnet sich deutliches Umsatzwachstum ab, das zum Teil in Belusa realisiert wird. Da in einem produzierenden Unternehmen Fertigungskapazitäten und Auslastung immer ein zentrales Thema sind, beschäftigt sich Trouche außerdem intensiv damit, wie man unter Nutzung der CCN-Standorte die Internationalisierung von PRAE-TURBO vorantreiben kann. PRAE-TURBO ist seit Anfang 2015 im Portfolio von Halder – sozusagen ein „Schwesterunternehmen“, das ebenfalls Präzisionsteile für Abgasturbolader herstellt.

CCN produziert Komponenten für die „heiße“ Seite des Systems, das die Verbrennungsgase des Motors nutzt; PRAE-TURBO fräst Verdichterräder aus hochfestem Material, die im „kalten“ Ansaugtrakt des Motors arbeiten. Da PRAE-TURBO bisher in Deutschland produziert, aber grundsätzlich die gleichen Märkte und Kunden bedient wie CCN, ist die Internationalisierung der Fertigung auch hier eine entscheidende Aufgabe. In Mexicali, dem nordamerikanischen Standort von CCN, zugleich Entwicklungszentrum für Komponenten in Turboladern von LKW- und Industriemotoren, ist noch Platz für weitere CNC-Fräsmaschinen. 2016 wollen Trouche und PRAE-TURBO-Geschäftsführer Oliver Romano hier das erste Etappenziel auf dem Weg zu einer internationalen Fertigungsallianz erreichen.