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Taicang, die Zweite

18.12.2009

Wo ist Taicang? Viele Unternehmen können die Frage beantworten: Schließlich besteht hier nach Feststellung des „Taicang Roundtable“, einer lokalen Wirtschaftsvereinigung, die höchste Dichte an deutschen und österreichischen Firmen in China.

Taicang, China: VAG stellt in Taicang Flanschklappen für Wasserrohre mit bis zu 4 m Durchmesser her. Diese Armaturen könnten zwar in Deutschland produziert werden. Es ist aber viel sinnvoller, Metallteile mit einem Gewicht von mehreren Tonnen dort zu bauen, wo sie gebraucht werden, statt sie über weite Strecken zu transportieren.

Also, wo liegt Taicang? Es handelt sich um einen Ort in der ostchinesischen Provinz Jiangsu mit knapp 500.000 Einwohnern. Nach chinesischen Maßstäben ist das bestenfalls eine Stadt mittlerer Größe, man versteht das mit einem anderen Hinweis besser: Taicang liegt 50 km entfernt von Schanghai – mit rund 20 Mio. Einwohnern auch für Chinesen unstrittig eine Metropole.

VAG hat sich für die Produktion in China einen Standort ausgesucht, der sich für internationale Unternehmen seit langem bewährt hat. 2004 eröffnete der Mannheimer Hersteller von Armaturen für die Wasserwirtschaft eine Fabrik für Flanschklappen mit einem Durchmesser von maximal 1,20m. Der zweite Schritt folgte 2009: Im neuen Werk Taicang II werden seit dem Frühjahr Großarmaturen mit bis zu 4m Nennweite hergestellt. Die Fabriken beziehen einen hohen Anteil ihrer Vorprodukte aus dem Inland, u.a. Gusskörper für die Armaturen. Lieferanten dafür wurden in einem langen Qualifizierungsprozess ausgewählt, den Michael Du, Geschäftsführer der VAG-Tochter in China, als „schwierig“ bezeichnet. Die Vorstellungen von VAG und der Gießereien lagen oft weit auseinander: VAG besteht als Premiumanbieter auf Qualität „made in Germany“, die aber mit lokaler Produktion erreicht werden soll.

Unterstützt von Mannheimer Ingenieuren konnte Du lokale Lieferanten von der Bedeutung hoher Standards als Grundlage langfristiger Geschäftsbeziehungen überzeugen. Inzwischen läuft auch das interne Ausbildungsprogramm, das für die grundsätzlich gut qualifizierten Arbeitskräfte der Region eine Attraktion ist: Es bietet ihnen Entwicklungsperspektiven und mehr Jobsicherheit. Außerdem zahlt VAG seinen über 160 Mitarbeitern für chinesische Verhältnisse hohe Löhne. Ausbildung, Lohnniveau, Sicherheit und Qualität sind Aspekte, die in China genauso wichtig sind wie in Deutschland.

Taicang I und II sowie die parallel aufgebauten Fertigungskapazitäten in Indien gehören zu einem € 38 Mio. umfassenden Investitionsprogramm, mit dem VAG bis 2012 die Internationalisierung des Geschäfts vorantreiben will. Daß mit rund € 15 Mio.fast die Hälfte davon in zwei asiatische Märkte geflossen ist, unterstreicht deren Bedeutung für die Strategie des Unternehmens: In diesen Boomländern ist die vorhandene Infrastruktur den heutigen und künftigen Kapazitäts- und Qualitätsanforderungen nicht mehr gewachsen. Lokale Produktion soll dabei helfen, die Tür zu öffentlichen Infrastrukturprojekten zu öffnen.