MBO@Halder

Mittelstands-MBOs auch 2005 auf Rekordniveau

30.4.2006

Bei der Finanzierung kleinerer Buy-outs im Jahr 2005 dominieren deutsche Banken

Auch bei Transaktionsgrößen von 20 bis 125 Millionen Euro boomt Private Equity. Gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2004 ist die Anzahl der Transaktionen 2005 noch einmal um über 40 Prozent gestiegen. Geschäftsbanken aus dem Ausland sind bei der Finanzierung in der Minderheit.

Seit 1998 analysiert die Halder-Gruppe Mid-Cap-Management-Buy-outs (MBO) bei deutschen Unternehmen mit einem Transaktionsvolumen zwischen 20 und 125 Millionen Euro. Die Auswertung der Dealaktivität des vergangenen Jahres zeigt eine weitere Verstärkung des klaren Aufwärtstrends der letzten Jahre.

Die Anzahl der Buy-outs zieht weiter dramatisch an. Obwohl bereits im Jahr 2004 mit insgesamt 33 Buy-outs ein neuer Rekordstand erreicht wurde, brachte 2005 mit 47 Transaktionen noch einmal starke Zuwächse. Gegenüber dem Jahr 2003, in dem 20 MBOs durchgeführt worden sind, bedeutet dies eine Steigerung um 130 Prozent. Im Vergleich mit 1998 summiert sich der Zuwachs sogar auf fast 400 Prozent.

Da der Private-Equity-Markt nach wie vor nicht transparent ist, werden die Daten aus vielen verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dazu zählen auf Private Equity spezialisierte Publikationen wie Deutsche Unquote und Real Deals, Pressemitteilungen von Beteiligungsgesellschaften, Mitteilungen des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), aber auch Nachrichten des Bundeskartellamts sowie interne Quellen.

Bei 45 Prozent aller Transaktionen des vergangenen Jahres handelte es sich um Verkäufe von Familienunternehmen. Unternehmensabspaltungen machten 36 Prozent aus und lagen damit klar unter dem Wert des Vorjahres (64 Prozent), Secondary Buy-outs standen für 19 Prozent aller Deals, was in etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht (21 Prozent). Damit hat sich die Herkunft der Buy-out-Deals im abgelaufenen Jahr signifikant gewandelt – im Jahr 2004 fanden nur 15 Prozent der MBOs ihren Ursprung in Familienunternehmen. Die Unternehmensnachfolge durch die Hereinnahme einer Beteiligungsgesellschaft zu regeln hat bei den deutschen Familienunternehmen also deutlich an Bedeutung gewonnen.

Etablierte Private-Equity-Häuser waren auch 2005 weiter dominierend

Bei den MBOs mit einem zu Grunde liegenden Unternehmenswert von 20 bis 125 Millionen haben wie auch in 2004 etablierte Private-Equity-Gesellschaften den Markt dominiert. Von den 47 abgeschlossenen Transaktionen wurden jeweils drei Transaktionen von Capiton, SG Capital und Steadfast abgeschlossen.

Jeweils zwei Transaktionen haben Argantis, ECM, Equivest, Finatem, Halder, Quadriga und die Deutsche Beteiligungs AG abgeschlossen. Es sind aber auch Finanzinvestoren aufgetreten, die in diesem Segment zuvor nicht so häufig in Erscheinung getreten sind beziehungsweise nicht in Deutschland investiert haben. Hierzu gehören zum Beispiel Gilde und Star Capital. Berücksichtigt man alle Transaktionen seit 1998, wird die Liste der „aktivsten“ Beteiligungsgesellschaften nach wie vor von 3i, Halder und der DBAG angeführt.

Bei der Arrangierung von Akquisitionsfinanzierungen sind die deutschen Kreditinstitute führend. Die HSH Nordbank hat 2005 mit insgesamt acht Transaktionen die größte Anzahl von MBOs finanziert. Die IKB belegt mit fünf Finanzierungen den zweiten Rang, gefolgt von der Deutschen Bank und Investkredit, die jeweils vier Finanzierungen bereitgestellt haben. Die LBBW kam dreimal zum Zuge. Mit der österreichischen Investkredit, die sich auf kleinere und mittlere LBO-Finanzierungen spezialisiert hat, befindet sich nur eine ausländische Bank in der Spitzengruppe.

Auch 2005 haben sich die meisten Firmeneigentümer von externen M&A-Beratern unterstützen lassen. Bei den 47 mit Beteiligung von Finanzinvestoren abgeschlossenen Übernahmen haben die Verkäufer bei 32 Transaktionen einen M&A-Berater mit dem Verkaufsprozess beauftragt. Von diesen 32 M&A-Beratern waren nur fünf Häuser bei zwei oder mehr Deals mit von der Partie. Am erfolgreichsten waren die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young und die Investmentbank Rothschild, die es auf jeweils drei Transaktionen gebracht haben. Auf dem zweiten Rang liegen mit je zwei abgeschlossenen Mandaten für Unternehmensverkäufe, die im Rahmen eines Management-Buy-outs an das Management und Finanzinvestoren veräußert wurden, die M&A-Abteilung der Dresdner Bank, die M&A-Boutique Heinrich & Cie. sowie mit der Corporate-Finance-Einheit von KPMG eine weitere Prüfungsgesellschaft. Auch bei diesen kleineren Transaktionen findet man aber immer wieder auch Investmentbanken.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass seit einigen Jahren die großen Prüfungsgesellschaften ihre Position stark ausgebaut haben, insbesondere bei Transaktionen, in deren Rahmen Finanzinvestoren ihre Portfoliounternehmen veräußern. Im Gesamtergebnis spiegelt sich aber nur ein Teil dieser Transaktionen wider, da ein großer Teil der 47 Unternehmen nicht im Rahmen von Secondary Buy-outs veräußert worden ist.

In 32 Prozent aller Fälle wurde kein Verkaufsberater in den Prozess eingeschaltet. Im Vergleich zum Jahr 2004 kann man feststellen, dass die Einschaltung von M&A-Beratern für Verkaufsprozesse an Finanzinvestoren von über 90 auf rund 70 Prozent zurückgegangen ist.

Die bisher abgeschlossenen Transaktionen der ersten beiden Monate 2006 zeigen, dass auch dieses Jahr wieder ein erfolgreiches Jahr für Private-Equity- Investoren werden könnte. Insgesamt wurden acht MBOs abgeschlossen mit einem Schwerpunkt bei Unternehmensabspaltungen. Nach 47 MBOs im Jahr 2005 könnte die Anzahl der MBOs im Mittelstand 2006 erstmalig über 50 liegen.

Quelle: Finance Magazin