MBO@Halder

Private Vorsorge

18.10.2006

Mehr Rendite, weniger Risiko.
Private Equity öffnet sich immer mehr für private Kleinanleger.

Weltweit gewinnt die Anlagekategorie „Private Equity“ dank ihres überdurchschnittlichen Renditepotenzials immer mehr an Bedeutung. Private Equity investiert in nichtbörsennotierte Unternehmen. Dabei kann es sich um Anlagen in sehr junge Unternehmen handeln, die sich noch in der Frühphase ihrer Entwicklung befinden (Venture Capital), oder um den Erwerb von Unternehmen, die bereits seit vielen Jahren am Markt aktiv sind und im Rahmen eines „Buy-Out“ veräußert werden. Private-Equity-Investitionen korrelieren kaum mit dem Auf und Ab an der Börse - sie entwickeln sich also weitgehend unabhängig von Aktien. Die Asset-Klasse Private Equity wird daher immer wichtiger, wenn es darum geht, ein Portfolio so zu diversifizieren, daß trotz verbesserter Renditechancen das Risiko des Portefeuilles sinkt. Es ist mathematisch nachgewiesen, daß Private Equity das kann.

Basierend auf einer zehnjährigen Messperiode hat Private Equity eine jährliche Rendite von 15 Prozent erzielt. Verschiedene Studien haben gezeigt, daß Private Equity historisch besser abschneidet als Aktien. In Europa liegt die Differenz bei 4 Prozent im Jahr, in den Vereinigten Staaten gar bei 6 Prozent. Allerdings werden die Illiquidität und die lange Kapitalbindung von zehn bis zwölf Jahren von Kritikern immer wieder als Nachteile von Private Equity moniert. Allerdings gilt dieser Vorwurf nur noch bedingt: Dank der stark wachsenden Sekundärmärkte kann heutzutage ein vorzeitiger Ausstieg aus Private Equity gewährleistet werden. Nicht zuletzt deshalb eignet sich Private Equity auch für die Altersvorsorge.

In den Vereinigten Staaten, aber auch in Großbritannien, Skandinavien und den Niederlanden bestehen schon seit langem Pensionskassen, welche gezielt in Private Equity investieren und dabei hervorragende Renditen erzielen. In Deutschland sind solche Pensionskassen als Form der betrieblichen Altersvorsorge noch recht selten, aber zunehmend im Kommen. Aber auch für die institutionellen Anleger ist ein Investment in Private Equity nicht frei von Problemen. So ist Private Equity stark durch asymmetrische Informationen gekennzeichnet, da nur sehr beschränkt Vergleichsdaten zur Verfügung stehen. Deshalb ist es für Investoren oft sehr schwierig, an die notwendigen Daten zu kommen, die zur Beurteilung von Private-Equity-Fonds nötig sind. Zudem liegt die Mindestanlagesumme meistens bei rund 5 Millionen Euro pro Fonds, was den Zugang weiter erschwert.

Große Renditeunterschiede.

Die Intransparenz der Private-Equity-Anlagen im Vergleich zu börsennotierten Anlageformen erfordert für Anleger daher eine enge Zusammenarbeit mit einem Spezialisten. Dieser sollte mit den Gegebenheiten von Private Equity vertraut sein, Zugang zu den besten Fondsmanagern gewähren können und in der Lage sein, diese auch zu analysieren. Schließlich ist der Unterschied zwischen sogenannten „Top-Quartile-Fonds“, also des Viertels von Fonds, die die höchsten Renditen erzielen, und den übrigen Fonds enorm. So betrug die jährliche Netto-Rendite (Internal Rate of Return: IRR) für Private-Equity-Fonds zwischen 1990 und 2005 bei den Top-Quartile-Fonds 24 Prozent per annum, bei allen Fonds jedoch nur 14,5 Prozent. Um die Fonds mit überdurchschnittlichem Renditepotenzial zu finden, bedarf es eines professionellen Auswahlprozesses. Dabei ist es für kleinere bis mittelgroße institutionelle Investoren wie Pensionskassen sehr wichtig, mit einem erfahrenen Dachfondsmanager oder Berater zusammenzuarbeiten. Dessen Verantwortung ist es, eine gründliche Analyse durchzuführen und im Speziellen die folgenden drei Punkte bei einem Private-Equity-Fonds auf Herz und Nieren zu überprüfen: das Team, die Strategie und den „Track-Record“, also die bisherige Leistungsbilanz. Anhand dieser drei Parameter wird die Qualität eines Fonds beurteilt. Eine besondere Rolle spielt die Kontinuität im Team, denn es ist wichtig zu evaluieren, ob der erarbeitete Track-Record auch tatsächlich vom jetzigen Team erzielt wurde oder ob eine größere Fluktuation stattgefunden hat.

Aufgrund der hohen Mindestinvestitionssummen ist eine Direktanlage in einen Private-Equity-Fonds für einen Privatanleger genauso wie für viele institutionelle Investoren nur begrenzt möglich. Die Lösung ist die Anlage in Dachfonds, welche die eingesammelten Mittel in ein breites Portfolio von einzelnen Private-Equity-Fonds investieren. Diese Investitionen können einmalig erfolgen oder im Rahmen von Sparplänen mit kleineren Beträgen über einen längeren Zeitraum. Allerdings sollte der Anteil der Investitionen in Private Equity immer mit der gesamten Portfolio-Strategie übereinstimmen und nicht einseitig übergewichtet sein.

Quelle: F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main