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Aufbruch nach Globalia

5.10.2013

Man stutzt angesichts des Leitgedankens: Hermann Simon, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Chairman der Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners, denkt über den „Aufbruch nach Globalia“ von
Hidden Champions nach?

Immerhin beschäftigt sich Simon schon seit den 1980er Jahren mit der Frage, warum die deutsche Wirtschaft so erfolgreich im Export ist. Als eine mögliche Antwort fand er das Phänomen der unbekannten Weltmarktführer – in der Regel mittelständische Firmen mit hohem Exportanteil. Sie sind besonders häufig in Deutschland zu finden und stellen dort rund 70 % der Exporte.

Simon prägte für diesen Unternehmenstyp den Begriff „Hidden Champion“ und verwendet drei Grundkriterien zur Beschreibung:

  • Gemessen am Marktanteil gehören sie zu den Top 3 in der Welt oder sind die Nr. 1 auf ihrem Heimatkontinent
  • Der Jahresumsatz liegt unter 5 Mrd.€
  • Ihr Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit ist gering

Aber müssen solche Unternehmen erst in die Welt aufbrechen?

Zur Marktführerschaft „verurteilt“

Bei der Durchsicht einer Vielzahl von Fallbeispielen – nach Einschätzung von Simon gibt es weltweit an die 3.000 Hidden Champions, davon kommt ein wesentlicher Teil aus Deutschland – kristallisierten sich zahlreiche Gemeinsamkeiten heraus. Eine wesentliche davon: Diese Champions sind Spezialisten, die oft unauffällige, aber einzigartige Produkte mit hoher Fertigungstiefe herstellen und letztlich in Marktnischen aktiv sind.

Wer dort überleben und wachsen will, ist sozusagen zur internationalen Spitzenposition „verdammt“ – nur durch breite Vermarktung werden die notwendigen Stückzahlen erreicht. Für Unternehmen dieses Zuschnitts ist es lebenswichtig, auf den wichtigen Weltmärkten präsent zu sein. Und für Unternehmen mit vergleichbarem Profil ist es entscheidend, ihr Geschäft zu internationalisieren.

Die Parallelen sind offensichtlich: Halder investiert in mittelständische Unternehmen, die sich aufgrund ihrer Wettbewerbsvorteile in Deutschland, Europa oder weltweit als Marktführer etabliert haben und durch Internationalisierung weiter wachsen können. Anders gesagt: Halder beteiligt sich an „kleinen“ Hidden Champions und Unternehmen, die das Zeug zum Champion haben. Das Engagement hilft den Firmen dabei, ihr Potenzial besser auszuschöpfen. Die Beispiele reichen von K. E. Fischer (Cordschneidemaschinen für die Reifenindustrie) über BHS-Getriebe (Turbogetriebe), Geka (Kosmetikbürstchen) und ADA (Hotelkosmetik) zu VAG (Großarmaturen für die Wasserwirtschaft), die an ihren Märkten einen Spitzenplatz belegen.

Nur kein Stillstand

Simon will mit dem „Aufbruch nach Globalia“ auch daran erinnern, dass die Zeit nicht stehen bleibt, schon gar nicht für Hidden Champions: Waren Weltmarktführer früher exportstark, müssen sie heute global agieren, d.h. in Ländern und Regionen mit hohem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum präsent sein.

Da 90 % dieser Unternehmen ihre größte Stärke in der Kundennähe sehen, müssen sie bei fortschreitender Globalisierung mit genügend Mitarbeitern für regelmäßigen Kundenkontakt an den lokalen Märkten aktiv sein. Abhängig vom Produkt oder von den Usancen einer Branche muss zusätzlich dort produziert werden, wo die Kunden sind.

Auch hier gibt es eine Parallele zu Halder: Allein in den Jahren 2008 bis 2012 haben die Portfoliofirmen annähernd 20 neue Auslandsgesellschaften gegründet. Sie hatten überwiegend Vertriebsaufgaben, aber es waren auch drei neue Produktionsstandorte darunter – jeweils einer in den USA, in Indien und in China. Der vierte geht mit Eröffnung einer Fabrik von CCN, einem französischen Spezialisten für hochpräzise Turboladerkomponenten, derzeit in der Nähe von Schanghai in Betrieb. Er komplettiert die internationale Produktionsinfrastruktur des Unternehmens, das jetzt an allen großen Automobilmärkten der Welt fertigt: Amerika, Europa und China.

Beteiligungskapital zur Unterstützung von „Hidden Champions in spe“? Yves Clarino, einer der Gründer von CCN, hat das eindeutig so gesehen, als er beim Management-Buy-Out von 2011 sagte, Halder sei der richtige Partner für den notwendigen Schritt nach Asien, den sich der Unternehmensgründer allein nicht mehr zugetraut hätte.