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„Hidden Champions“ – viel mehr als ein Schlagwort

5.10.2013

Was ist ein „Hidden Champion“? Hermann Simon, der den Begriff in Deutschland bekannt gemacht hat, bezeichnet damit „hochspezialisierte mittelständische Unternehmen“ – (Welt-)Marktführer mit hohen internationalen Umsätzen, auf Markt und Kunden fokussierter Strategie und einer Umsatzgröße von höchstens fünf Milliarden €. Die DWS, eine Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, versteht darunter mit Blick auf die Börse „Unternehmen aus der zweiten Reihe“: Firmen, die zum Aktienindex MDAX gehören und eine „Elite der hochspezialisierten Mittelständler“ darstellen. Die Umsätze exportstarker MDAX-Firmen reichen von 435 Mio.€ bei Rational über eine bis zwei Milliarden € bei Gildemeister, Kuka oder SGL Carbon bis zu 15 Mrd. € bei MAN. Zum Vergleich: Halder investiert in Firmen mit Umsätzen bis zu 400 Mio.€, deren Geschäftspolitik sie – oft in Nischen – zu Marktführern gemacht hat. Man könnte sie als „kleine Hidden Champions“ bezeichnen.

Mögliche Gründe: Viele deutsche Firmen sind nach dem zweiten Weltkrieg als Familienbetrieb entstanden und waren in der damaligen Mangelwirtschaft dazu gezwungen, von Anfang an pragmatisch und ergebnisorientiert zu arbeiten. Außerdem verbesserte frühzeitige Spezialisierung in diesem Umfeld die Erfolgsaussichten. Das prägt den Mittelstand bis heute.

Erfolgsfaktor Innovation

Dieses Profil deutet darauf hin, dass starke, spezialisierte Mittelständler ihren Erfolg fortsetzen können. Ostmeier: „Vereinfacht gesagt ist die wirtschaftliche Situation in vielen stark wachsenden Schwellenländern vergleichbar mit den Verhältnissen in Deutschland während der 1960er Jahre.“ Einerseits ist der Mittelstand damit und mit den darauf folgenden Entwicklungsphasen bestens vertraut, andererseits bietet ein gewisser Wissensvorsprung gerade bei komplexen industriellen Anwendungen, die eine Stärke des Mittelstands sind, eine gute Plattform.

Die Industrie darf sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Die Patentstatistik gibt einen Hinweis darauf, wer zur technischen Avantgarde gehört. Nach Feststellung des Europäischen Patentamts wurden dort 2012 über eine Viertelmillion Patentanmeldungen eingereicht, 5,2 % mehr als im Vorjahr. Insgesamt liegen die USA mit 24,6 % und Japan mit 20,1 % der Anmeldungen an der Spitze, Deutschland belegt mit 13,3 % Platz drei. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland die Nummer eins, deutlich vor Frankreich und der Schweiz. Asiatische Schwellen- und aufstrebende Industrieländer wie China und Korea prägen allerdings die Statistik mit: Mit 7,3 % bzw. 5,6 % der Patentanmeldungen in Europa liegen sie hinter Deutschland auf den Plätzen vier und fünf.