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Beirat 3.0

15.9.2014

Wolfgang Deml ist neuer Vorsitzender des Halder-Beirats. Er hat diese Aufgabe in einer Zeit übernommen, die für Halder zahlreiche Veränderungen brachte und noch bringen wird.

Wolfgang Deml hat Anfang 2014 den Vorsitz des Halder-Beirats übernommen. Er ist außerdem Aufsichtsratsvorsitzender der Privatbank Hauck & Aufhäuser, München, und im Board of Directors der AGCO Corporation, eines globalen Landmaschinenunternehmens aus den USA mit 10,8 Mrd. US$ Umsatz für 2013. Dort leitet er den Ausschuss, der für Managementnachfolge zuständig ist.

2013 wurde Halder durch den Buy-Out aus der GIMV-Gruppe wieder unabhängig, in den kommenden 12 Monaten wird die Investitionsphase des aktuellen Fonds zu Ende gehen, die ersten Vorbereitungen für die Auflegung des nächsten Fonds beginnen voraussichtlich um den Jahreswechsel. Im Beirat, der 1991 beim Start von Halder in Deutschland eingerichtet wurde, hat sich ebenfalls viel getan: Fünf von heute sieben Mitgliedern sind ab 2009 dazugestoßen, auch Wolfgang Deml ist Teil dieses Generationswechsels. Wie sieht er die nächsten Jahre?

Das unternehmerische Element

Die Antwort hängt unter anderem mit seinen Gründen zusammen, 2009 Beirat von Halder zu werden. Deml interessiert das Vielseitige und Vielschichtige: Er war Unternehmensberater bei Roland Berger, später Sprecher der Geschäftsführung von Union Investment und ab 1988 Vorstand bzw. von 1991 bis 2006 Vorstandsvorsitzender der Baywa, einer führenden europäischen Handels- und Dienstleistungsgruppe im Agrar-, Bau- und Energiesektor mit rund 140 Beteiligungen. „Halder nimmt die unternehmerische Praxis ernst“, stellt Deml fest. „Bei anderen Private-Equity-Häusern stehen Finanztechnik bzw. die finanztechnische Steuerung von Portfoliofirmen im Vordergrund. Halder ist ein Mittelstandsinvestor, der in vielen Branchen aktiv ist und seine Beteiligungen finanztechnisch steuert, aber unternehmerisch führt.“

Dass der Beirat einen substanziellen Beitrag zu dieser unternehmerischen Führung leistet, gehört schon lange zum Credo von Halder. Da ist es aus Sicht von Deml nur folgerichtig, wenn sich der Beirat mit den großen Themen für einen Mittelstandsinvestor weiterentwickelt: „Der Mittelstand ist ein nahezu unerschöpflicher Markt für Investoren, die sich auf die besonderen Anforderungen dieser Unternehmen einstellen. Das führt zu gut gemachten Nachfolge- und Wachstumslösungen für Firmen, die einen Gesellschafterwechsel wollen, denen die angestammten Märkte zu klein werden und die internationales Potenzial haben“, beschreibt Deml die grundsätzliche Dynamik. Um als „Motivationsgremium“ mitzuhalten, sollten Beiräte Unternehmerpraxis haben – wie z.B. der Wirtschaftsingenieur Jörg Fiedler, der 2010 zu Halder kam. Er hatte zuvor zwei Unternehmen im Bereich Automobilzulieferung erfolgreich aufgebaut, anschließend verkauft und ist finanziell unabhängig. Deml: „Ein kompetenter, selbstbewusster Beirat ist für das Investmentteam und die Partner von Halder ein guter Ratgeber.“

Warum nicht die Besten?

Wachsendes Branchenspektrum und zunehmende Internationalisierung des Portfolios sollten im Beirat reflektiert werden – oder in den Aufsichtsgremien der Portfoliofirmen. „Der Beirat kann natürlich nicht bei jedem Investment in eine neue Branche erweitert werden“, deutet Deml die Richtung an. „Auf der Portfolioebene gelten andere Anforderungen, denn für Aufsichtsräte einer Beteiligung ist spezifische Branchen- und Markterfahrung wichtig. Besetzungsfragen können wir lösen, indem wir unser Netzwerk richtig nutzen.“ Dass Halder in Portfoliofirmen zunehmend Senior Advisors – die nicht dem Beirat angehören – mit passendem Profil einsetzt, sieht Deml als konsequenten Schritt. Er kann sich sogar vorstellen, Aufsichtsräte von Portfoliofirmen überwiegend oder ganz extern zu besetzen, wenn dies die optimale Lösung ist. Zusätzlicher Vorteil: Mögliche Interessenkonflikte von Halder-Beiräten aufgrund von Doppelfunktionen werden vermieden.

Auf diesem Weg würde der Beirat seinen Fokus wieder auf die Beratung setzen. „Wir sollen Rat geben. In moderner Interpretation heißt das manchmal, herauszufordern – um eine intensive Diskussion zu führen, Dinge in Frage zu stellen und neue Aspekte einzubringen“, skizziert Deml seine Sicht der Beiratsaufgaben. Der Beirat als Denkfabrik? „Die Qualität dafür sollten wir schon haben, aber es geht zugleich darum, sich sinnvoll einzumischen. Nicht ins Tagesgeschäft, aber wenn der Beirat das ‚unternehmerische Gegengewicht‘ zur Finanzkompetenz bei Halder ist, dann legt er dieses Gewicht auch in die Waagschale. Und ich glaube, das wird von uns erwartet.“