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Markt

5.7.2016

Der mittelständische Beteiligungsmarkt in Deutschland verläuft ruhig, im Portfolio von Halder wird an der Wertsteigerung gearbeitet.

30. Das war die Zahl der abgeschlossenen Beteiligungen, die 2015 für den mittelständischen Buy-Out-Markt (Transaktionsvolumen von 20 Mio. € – 250 Mio. €) veröffentlicht wurde. In den drei Jahren davor waren es immerhin 40 pro Jahr – gemessen an 2015 wäre das Marktgeschehen wieder auf ein Niveau zurückgefallen, das 2009 unmittelbar nach der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht war.

Von einer Krise kann allerdings keine Rede sein: 2015 wurden laut Statistik des BVK insgesamt 106 Buy-Outs abgeschlossen, im Vorjahr waren es 133. Die Investitionen in Buy-Outs sind in ähnlichem Umfang gesunken, waren aber mit 3,8 Mrd. € annährend doppelt so hoch wie 2009.

Die internationale Sichtweise sieht noch einmal anders aus – nach einer Zusammenstellung von Goldman Sachs arbeitet in vielen europäischen Ländern nach wie vor nur ein geringer Prozentsatz der Unternehmen mit Private Equity: In Italien sind es weniger als 0,5%, in Frankreich 2,74%, Deutschland belegt mit 1,47% einen mittleren Platz. Schlussfolgerung: Grundsätzlich gibt es in Europa – Deutschland eingeschlossen – für Private-Equity-Investoren noch viel Potenzial zu heben.

Zum Teil reflektiert der Marktverlauf eher eine normale zyklische Entwicklung, denn die Unternehmensbewertungen sind deutlich gestiegen. Die Firmen verdienen weiter gut, aber nach den Jahren von Konjunkturerholung und anschließender Expansion wird oft die Frage gestellt, ob der Aufschwung langsam zu Ende geht. Dahinter stehen auch die Strukturprobleme in Europa und die Normalisierung des Wachstums in China. Die Statistik deutet ebenfalls in diese Richtung – die durchschnittliche Größe von Buy-Outs mit einem Volumen von 50 Mio. € – 100 Mio. € bzw. 100 Mio. € – 250 Mio. € ist 2015 um 6% bzw. 8% gestiegen.

In diesem Umfeld hat der Fonds Halder-GIMV Germany II (HGG II) mit der Investition bei PRAE-TURBO (Zulieferer von Präzisionsbauteilen für die Automobilindustrie) im Februar 2015 das Portfolio weiter ausgebaut. Darüber hinaus hat das Investment-Team im vergangenen Jahr zahlreiche Angebote zum Kauf von Unternehmen gemacht, die vor allem als Ergänzungsinvestitionen für bestehende Beteiligungen gedacht waren, und sie beim Zukauf des Feinmechanik-Unternehmens Ganter für Klingel Medical Metal abgeschlossen.

Arbeit an der Wertsteigerung

Ergänzungsinvestitionen sollen zur Wertsteigerung beitragen. Gerade bei einem jungen Portfolio – die Beteiligungen von HGG II sind im Durchschnitt weniger als drei Jahre lang an Bord – muss der Fokus darauf liegen, die Voraussetzungen für systematische Wertsteigerungen der einzelnen Firmen und eine gute Rendite des gesamten Fonds herzustellen. Dabei geht es nicht um „financial engineering“, sondern um strategische und operative Veränderungen in den Unternehmen, die zu Wachstum und einer besseren Perspektive führen. Diese Maßnahmen brauchen Zeit, um zu wirken.

Beim erfolgreichen Vorgängerfonds Halder-GIMV Germany lag der durchschnittliche Investitionszeitraum bei 45 Monaten. Die Hälfte der Beteiligungen war aber bis zu 15 Monate länger im Portfolio, u. a. weil die Finanzkrise in den Beteiligungszeitraum fiel – Beteiligungsmarkt und damit auch Firmenverkäufe kamen vorübergehend zum Stillstand. Zusätzlich lag der Durchschnittswert unter den für Halder typischen 54 – 60 Monaten, weil hohe Bewertungen vor der Finanzkrise zum frühzeitigen Verkauf einiger Beteiligungen genutzt wurden.

Natürlich zielt schon der Geschäftsplan einer Beteiligung auf Wachstum und Wertsteigerung. Viele Schritte, die das gleiche Ziel haben, können aber dort gar nicht abgebildet werden: Die Einrichtung von Aufsichtsgremien aus erfahrenen Managern, mehr Transparenz im Berichtswesen, bessere strategische Fokussierung, Ausbau des Produkt- bzw. Serviceangebots oder gegebenenfalls Stärkung des Managements lassen sich in ihren Auswirkungen oft nur schwer quantifizieren. Aber niemand wird in Frage stellen, dass sie wirksam sind.

Sich selbst neu erfinden

Am meisten Zeit brauchen Unternehmen, die sich neu „erfinden“, um das Potenzial für Wertsteigerungen möglichst gut auszuschöpfen. Ein Beispiel dafür ist Klingel Medical Metal, ein Unternehmen, das 2012 als CNC-Zerspanungsspezialist Helmut Klingel ins Portfolio kam. Wie viele andere Feinmechanikfirmen war Klingel ursprünglich auf Lohnfertigung ausgerichtet und hatte seit Gründung im Jahr 1986 langjährige Kundenbeziehungen aufgebaut, u. a. im Bereich Medizintechnik. Die besten Chancen für das Unternehmen bestanden in der Konzentration auf diesen Markt, der in jeder Hinsicht höchste Anforderungen an seine Lieferanten stellt, besondere Zertifizierungen verlangt und auf lange Sicht gutes Potenzial für Outsourcing an Firmen wie Klingel bietet. Was sie brauchen, um die Marktchancen zu nutzen, sind – neben Know-how, modernster Produktion und Zuverlässigkeit – eine klare Strategie, eine gewisse Größe und eine Identität, die zu den Kunden passt. Das alles hat Klingel und entwickelt sich vom früheren Lohnfertigungsbetrieb zum Medizintechnikspezialisten.

In die Kategorie von Unternehmen, die sich neu erfinden, gehört auch Bottega Manifatturiera Borse. Der Hersteller von Luxuslederwaren wollte sich nicht mehr nur auf das B2B-Geschäft mit anderen Luxusmarken verlassen, sondern baut im B2C-Markt eine eigene Marke im oberen Luxussegment auf. Oder Keymile: früher ein Spezialist für Datenzugangssysteme, die in Breitbandnetzen großer Telekomanbieter eingesetzt wurden. Heute ein Garant dafür, dass kritische Anwendungen in den Kommunikationsnetzen von Unternehmen aus der Energie- und Transportbranche ausfallsicher sind. Oder Wback: Als führender Lieferant von Hamburgerbrötchen für die Systemgastronomie in der Region EMEA hat das Unternehmen 2015 nach deutlicher Kapazitätserweiterung einen vorübergehenden Nachfragerückgang durch Erschließung anderer Marktsegmente kompensiert. Dabei Produktion und Logistik an den Bedarf der neuen Kunden anzupassen, wurde fast zur Randerscheinung.

Mit anderen Worten: Erfolg ist das Ergebnis von Flexibilität und gezielter Veränderung. Das ist Mittelstand und das ist Wertsteigerung.

Zufriedene Investoren

Die Investoren, deren Kapital in Private-Equity-Fonds fließt, sehen die gesamte Entwicklung positiv. Einer Studie der Marktforschungsgesellschaft Preqin zufolge erwarteten 54% der Kapitalgeber Ende 2012 von PE-Investitionen eine Überrendite von mehr als 4% im Vergleich zu den öffentlichen Finanzmärkten, weitere 29% waren auf ein Plus von 2% – 4% eingestellt. Ende 2015 gingen 40% von hohen und 37% von mittleren Überrenditen aus.

Fast noch wichtiger: Nach Einschätzung von über 90% der Investoren hat Private Equity in 2015 „geliefert“ und die Renditeerwartungen zumindest erfüllt, bei einem Drittel wurden sie sogar mehr als erfüllt. Halder arbeitet mit den Portfoliounternehmen daran, auch für die Kapitalgeber von HGG II wieder eine gute Rendite zu erzielen.