MBO@Halder

Uf = 0,8W/m²K

14.9.2012

Wer ein Haus baut oder saniert, hat beim Fenster die Wahl zwischen Rahmen aus Holz, Metall oder Kunststoff. Die Entscheidung für Kunststoff lohnt sich: Fenster mit Rahmen aus Kunststoffprofilen haben eine Lebensdauer von 40 Jahren, sind pflegeleicht und bieten so viel Wärmedämmung, dass sie für Passivhäuser geeignet sind. Einer der führenden Systemanbieter in Europa für Kunststoffrahmen ist die GEALAN-Gruppe.

PVC ist vor Aluminium und Holz der beliebteste Werkstoff für Fensterrahmen in Europa, auch wenn die Marktanteile von Land zu Land sehr verschieden sind: In Italien und Spanien liegt der PVC-Anteil unter 20%, in Frankreich über 60%. Länder mit kälterem Klima oder einem eher preissensiblen Markt tendieren zu PVC, in den Niederlanden und Italien sind es Designaspekte. In Skandinavien hat der Zugang zum Baustoff Holz zur Vorliebe für Holzrahmen geführt.

Kunststofffenster immer beliebter

Marktbeobachter rechnen grundsätzlich damit, dass überlegene Produkteigenschaften die Nachfragestruktur weiter zugunsten von Kunststoff ändern werden. Rahmen aus Kunststoffprofilen sind deutlich wirtschaftlicher als vergleichbare Rahmen aus Aluminium, bieten eine bessere Wärmedämmung als Metall- oder Holzrahmen und das Material ist wesentlich pflegeleichter als Holz. Außerdem lässt es sich gut wiederverwenden: Nach Angaben der Organisation Rewindo, die das Recycling von Kunststofffenstern, -türen und -rollläden in Deutschland übernommen hat, wurden 2011 rund 27.000 t Altmaterial eingesammelt und zu 19.000 t Recyclingmaterial verarbeitet. Sieben bis acht Wiederverwendungszyklen sind ohne Verlust der Materialeigenschaften möglich, lediglich die Farbe ändert sich. Gealan benutzt das im Vergleich zum Roh-PVC preisgünstigere Recyclat in einigen Produkten.

Der europäische Markt für Kunststoffrahmen ist ursprünglich eine deutsche Domäne: Von den Top 10 der Branche kommen sieben aus Deutschland, nach Umsatz gerechnet ist Gealan der sechstgrößte Anbieter. Die in anderen Märkten gefürchtete Konkurrenz aus Osteuropa oder Asien gibt es in Westeuropa kaum, dafür sorgen hohe Qualitätsstandards und lange Lieferstrecken. Nach der politischen Öffnung Osteuropas verfolgte Gealan die Strategie, zuerst das Potenzial dieser Märkte zu erschließen, und hat seit den 1990er Jahren in Ost- und Südosteuropa eine starke Marktposition aufgebaut. In Ländern wie Rumänien sind Kunststoff-Fensterrahmen gleichbedeutend mit dem Firmennamen. Auf den deutschen Markt entfiel 2011 etwa ein Drittel der Gesamtleistung von 224,1 Mio. €. Seit 1968 die Herstellung von Kunststofffensterrahmen im fränkischen Oberkotzau aufgenommen wurde, hat Gealan eine internationale Produktions- und Logistikinfrastruktur aufgebaut, die es ermöglicht, in Märkten mit ausreichend großer Nachfrage vor Ort zu produzieren und andere Märkte schnell aus lokalen Lägern zu bedienen: Wichtige Lagerartikel sollen innerhalb von drei Tagen bei den Fensterbauern sein. Sie sind die Hauptkunden und fertigen das Endprodukt auf Bestellung von Bauherren und Architekten an.

Vielfalt, Qualität, Innovation

In über 40 Jahren Unternehmensentwicklung ist ein umfassendes technisches Know-how entstanden, das eine sehr große Produktpalette, hohe Produktionsqualität und Innovation ermöglicht. Gealan kann damit z. B. auf das zunehmende Umweltbewusstsein in Europa reagieren, das zu immer höheren Anforderungen an die Wärmedämmung von Fenstern führt. Nach der seit 2009 gültigen Energiesparverordnung dürfen in Deutschland nur noch neue Fenster eingebaut werden, die einen Grenzwert für Wärmedurchlässigkeit – der so genannte „Uf-Wert“ – von höchstens 1,3 W/m²k einhalten. Ein Uf-Wert von 1,0 – 1,2 W/m²k gilt heute als sehr gut, 0,8 W/m²k oder weniger sind die Richtwerte für das „Passivhaus“, das aufgrund seiner Wärmedämmung keine klassische Heizung mehr braucht. Fenster mit Dreifachverglasung und Rahmen der neuesten Systemgeneration von Gealan erreichen den Passivhaus-Standard schon heute.

Solche Vorgaben werden realisiert, indem Gealan die Fensterprofile, deren Wandstärken und die Zahl der Kammern in den Rahmen immer wieder den Anforderungen anpasst. Zu den Innovationen der letzten Jahre gehören die Statische-Trocken-Verglasung (STV®) und die Intensiv-Kern-Dämmung (IKD®), die Vorteile für Fensterbauer und Hauseigentümer bieten.

Die Ästhetik kommt nicht zu kurz: Rahmen aus Kunststoffprofilen können z. B. mit Folien im Holz- oder einem anderen Look beschichtet werden. Gealan ist außerdem einer der wenigen großen Systemanbieter in Europa, der Kunststoffrahmen während des Herstellungsvorgangs mit Acrylglas beschichten kann. Unter der Bezeichnung „acrylcolor“ werden Rahmenfarben möglich, die bei Verwendung von Holz teilweise gar nicht realisierbar wären. Acrylcolor ist so haltbar wie eine Metalllackierung und genauso pflegeleicht. Fensterrahmen mit dieser Premium-Ausstattung machen inzwischen deutlich über 10% des Geschäftsvolumens aus, Tendenz steigend.

In Europa zweigleisig fahren

Mit dem Management-Buy-Out von Halder zum Jahreswechsel 2010/11 wurde ein Strategiewechsel vollzogen. Während der letzten Rezession waren die osteuropäischen Märkte, deren Entwicklung vor allem von der Neubautätigkeit abhängig ist, stark eingebrochen. In Westeuropa sind eher Sanierung und Renovierung die treibenden Kräfte und die Märkte blieben stabiler. Gealan erzielt derzeit rund die Hälfte der Umsätze in westeuropäischen Märkten, die in erster Linie Qualitätsprodukte nachfragen. Das übrige Geschäft entsteht in Osteuropa, hier ist die Nachfrage aufgrund der geringeren Kaufkraft deutlich preissensibler.

In den nächsten Jahren will Gealan das Potenzial beider Regionen nutzen – Erholungschancen in Osteuropa und den Trend zum Kunststoff-Fensterprofil in Westeuropa. Ziel ist, zumindest wieder das Geschäftsvolumen zu erreichen, das vor der Rezession verbucht wurde – 2008 waren es rund 280 Mio. €. Der Weg dorthin wird durch eine langsame Erholung im Osten und die Staatsschuldenkrise erschwert: Sie trifft vor allem die südeuropäischen Märkte, deren Wachstumspotenzial aufgrund des niedrigen Marktanteils von Kunststoffprofilen besonders groß ist. Gerade die Immobilienkrise in Spanien ist ein Hindernis bei der Marktbearbeitung. Aber es gibt viele Mittel und Wege zu mehr Geschäft: Für Frankreich und die Benelux-Länder hat das Unternehmen besondere Produktlinien entwickelt, in Osteuropa wird derzeit ebenfalls ein neues System am Markt eingeführt. Die ersten Reaktionen sind gut.