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Dr. Wilfried Kaiser: Dahin gehen, wo die Chancen sind

18.12.2009

Was treibt Mittelständler nach China?

Internationalisierung ist im Mittelstand nichts Neues, sondern „Standard“ bei guten Unternehmen. Typisch ist, daß diese Firmen ein Auslandsengagement sorgfältig planen und dann mit voller Kraft ihre Konzepte durchziehen. VAG hat die Internationalisierung in der Unternehmensstrategie festgeschrieben.

Um Kosten zu senken?

Es geht nicht nur um niedrigere Fertigungskosten. Auslandsstandorte helfen Zollschranken zu vermeiden, verbessern die Chancen bei Projektausschreibungen, vereinfachen die Logistik oder können politisch sinnvoll sein. Vor allem bringen sie die Firmen viel näher an ihre Kunden. Geografische Breite verbessert außerdem die Streuung geschäftlicher Risiken.

Warum gleich nach China gehen?

VAG zielt auf den Ausbau des Projektgeschäfts: Hier gibt es gute Wertschöpfungsansätze und die Preise sind nicht so entscheidend wie im Seriengeschäft. Die Schritte zur Nutzung dieser Chancen führen in geografisch entfernte Märkte wie China und Indien: Dort löst der wirtschaftliche Umbruch hohe Investitionen in die Wasserinfrastruktur aus – klassisches Projektgeschäft.

Hat sich das schon ausgezahlt?

In der laufenden Rezession zeigt sich, daß die Umsätze im Seriengeschäft leicht nachgeben und das Projektgeschäft weiter läuft. Konjunkturprogramme wie in China helfen natürlich.

Was macht den Standort Taicang interessant?

Das neue Werk in Taicang ist ja schon das zweite von VAG an diesem Standort. Es fertigt Armaturen für Röhren mit Durchmessern von 1,20–4 m, Taicang I bedient das Segment darunter. Die Gründe der Standortwahl gelten unverändert: Taicang liegt im Einzugsgebiet von Schanghai, dem wirtschaftlichen Schwerpunkt im Osten von China. Die Region hat eine hervorragende Infrastruktur. Mit den Behörden kann man gut zusammenarbeiten. Und es haben sich schon über 100 Firmen aus Deutschland hier angesiedelt, die alle Erfahrungen und Information austauschen.

Dabei war zuletzt über steigende Unzufriedenheit deutscher Firmen zu lesen …

Ich glaube nicht, daß wir uns beklagen können. De facto wurden ausländische gegenüber chinesischen Firmen lange bevorzugt, um den Zufluss von Technologie und Direktinvestitionen in Gang zu halten. Das hat sich eventuell zugunsten von mehr Gleichbehandlung geändert. Ein Gegenbeispiel: Die Bank of China vergibt derzeit Betriebsmittelkredite ohne Besicherung, das hat auch VAG genutzt.

Und was ist mit dem Schutz von geistigem Eigentum?

Meinen Sie Produktkopien? Einen Tod muß man ja sterben! Im Ernst – wenn Sie den Geschäftsführer von VAG in China dazu fragen, wird die Antwort sein: ‚Wir sind selbst ein chinesisches Unternehmen und müssen unser Know-how eben schützen!’ Letztlich ist das ein ständiger Ansporn, besser zu sein als der Wettbewerb.