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Michael Du: (K)ein Traum

18.12.2009

Michael Du studierte Automatisationstechnik, er schloss 1984 an der Hochschule für Chemietechnik in Peking als Bachelor ab. Seit Anfang 2004 ist er Geschäftsführer bei VAG Water Systems (Taicang) Co.

Wie sieht Ihr Markt aus?

In China gibt es ungefähr 2.000 Armaturenhersteller! (lacht) Aber die meisten arbeiten nicht im Premiumsegment des Wasser- und Abwassermarkts, das unser Arbeitsgebiet ist. In diesem Bereich sind vier oder fünf chinesische und internationale Firmen aktiv, aber ich denke schon, daß wir der führende Anbieter sind. Zumindest sind wir der teuerste Anbieter und haben einen guten Namen für Qualität!

Wie hat VAG bisher gearbeitet?

Die Firma ist seit den 80er Jahren hier aktiv, war aber damals weitgehend auf Import aus Europa ausgerichtet. Das hat sich 2004 geändert, als die erste Fabrik in Taicang gebaut wurde. Damit haben wir eine klare Strategieaussage gemacht: VAG ist ein Hersteller, der auf langfristige Präsenz in China zielt – mit lokal hergestellten Produkten und Service vor Ort.

Wie hat sich das Geschäft entwickelt?

Ich kann mich noch an den Auftragseingang im ersten Jahr erinnern – € 206.000! 2008 lag das Auftragsvolumen bei € 8,6 Mio. , Ziel für 2009 sind € 13 Mio. . Auf EBIT-Basis sind wir seit 2006 profitabel.

Aufträge für die neue Fabrik inklusive?

Ja, mit dem Start der neuen Fabrik im Mai 2009 hatten wir einen guten Auftrag für große Flanschklappen.

Wer sind Ihre Kunden?

Vor allem Städte und Gemeinden, Wasserwerke und Baufirmen, die für sie arbeiten. Wir konzentrieren uns auf Ventile, ein entscheidendes Element in Systemen, die Wasser und Abwasser transportieren: Dämme, Pipelines, Wasserkraftwerke, Aufbereitungsanlagen und das Verteilungsnetz.

Woher kommt die Nachfrage?

„Migration“ ist das Stichwort: Bisher lebten 80 % der Bevölkerung auf dem Land, aber der Boom der Wirtschaft hat einen enormen Zuzug in die Städte ausgelöst. Aus der Urbanisierung entsteht jedes Jahr ein Bedarf an 200 neuen Wasserwerken.

Wo bauen Sie Ihre Produkte ein?

Vor kurzem waren wir an einem Projekt beteiligt, das es so noch nicht gegeben hatte: Aus einem Reservoir in den Bergen sollte Wasser in mehrere Städte geleitet werden. Dafür wurden zwei Pipelinesysteme mit einer Gesamtlänge von 240 km gebaut, die mit 29 VAG-Armaturen kontrolliert werden. Die Röhren waren ziemlich groß und für die Steuerung wurden entsprechend dimensionierte Ventile nach Kundenspezifikation hergestellt. In China muß viel Wasser bewegt werden, so daß die Versorgungsnetze zunehmend Rohrweiten von 3 bis 4 m haben. Damit werden auch die Ventile immer größer und dafür brauchen wir Taicang II.

Wie viel war dieses Pipelineprojekt für VAG wert?

Insgesamt € 2 Mio.. Beim Neubau eines Wasserwerks entsteht eher ein Umsatz von € 0,5 Mio.

Mal 200 pro Jahr …

und mein Traum für das Auftragsbuch würde wahr! Allerdings haben wir keinen Marktanteil von 100 %, sondern liegen insgesamt unter 5 % – der Weg ist noch weit.

Wie hoch ist der lokale Anteil an Ihren Produkten?

Insgesamt beziehen wir etwa 70 % aus China. Die größten Teile sind die eisernen Gusskörper für die Armaturen, die wir bei qualifizierten Zulieferern beziehen. Einige Komponenten wie Antriebe kommen aus Mannheim.