MBO@Halder

Robert Fellner-Feldegg: Systematik hilft

18.12.2009

Das Unternehmen startete 1872 – wer ist VAG heute?

Wir sind ziemlich selbstbewusst und behaupten, der Topanbieter für Großarmaturen zu sein.

Woher kommt das Selbstbewusstsein?

Man verdient es sich durch Zuverlässigkeit. VAG hat 1976 Armaturen in die Wasserversorgung von Mumbai eingebaut, die seitdem nicht mehr gewartet wurden und einwandfrei funktionieren. Gute Technik und Innovation sind die Basis dafür. Innovation ist für uns ein Prozess aus kleinen Schritten, der vom Markt getrieben wird – Armaturen sind bloß ein Stück Gusseisen mit Loch.

Wie funktioniert das?

Mit System! Die gesamte Vertriebsorganisation sammelt Ideen – aus Projekten, von Kunden oder aus dem Wettbewerb. Wir werten jeden Monat aus und setzen Projektgruppen auf interessante Themen an.

Ein Beispiel, bitte!

Unsere Strategie fordert „intelligente Lösungen“ ein, z.B. für Probleme wie das Druckmanagement in Versorgungsnetzen. Tagsüber fließt Wasser zu den Verbrauchsstellen und der Druck in den Röhren ist niedrig. Nachts sinkt der Verbrauch, das Wasser steht und der Druck steigt. Dann „atmet“ das System und es bilden sich Leckagen. Allein aus einem 6 mm großen Loch fließt bei entsprechendem Druck so viel Wasser ab, daß Sie 120 Haushalte damit versorgen könnten! Unsere Druckmanagementlösung verhindert das.

Wo ist das realisiert?

Zum Beispiel in Lima und Sᾶo Paulo. VAG ist schon lange international aktiv, allerdings nicht mit einem Konzept, wie wir es seit 2001 haben. Wir wollen nachhaltig wachsen, d.h. langsam und von einer guten Basis aus. In China haben wir seit 2001 an ersten Ausschreibungen teilgenommen und festgestellt, daß gern deutsche Qualität gekauft wird, wenn die technischen Anforderungen hoch sind und der Preis der Produkte nachrangig ist.

China boomt…

und ist doch nur ein Beispiel dafür, wie sich Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Wassermangel konkret auswirken: Man muß Wasser transportieren! Allerdings sind China oder Indien offener als etwa die USA. Der US-Markt ist mit – veralteten – Zulassungsverordnungen abgeschottet. In China ist willkommen, wer die relevanten Technologien hat.

Wie passt Taicang in Ihren Produktionsverbund?

Es ist eine weitere Ausbaustufe. Das Stammwerk in Mannheim konzentriert sich auf die technisch anspruchvollsten Einzelfertigungen. Im tschechischen Hodonin steht unsere Gießerei für Serienartikel mit dem internationalen Logistikzentrum. Taicang stellt seit 2004 Flanschklappen für den chinesischen Markt her und in Hyderabad produzieren wir jetzt für Indien.

Ein komplexes Unternehmen!

Ja und nein. Die Logistik ist ziemlich schlank, weil Serienartikel zentral aus Hodonin verschickt werden – diese Produkte kann man weit transportieren. Große Flanschklappen wiegen mehrere Tonnen und werden daher in den Märkten selbst produziert. Ansonsten hilft wieder Systematik: Unsere Strategie ist in den Zielvereinbarungen der Führungskräfte verankert – bis zur Meisterebene. Also: „Internationalität“ ist für das Supply Chain Management mit einer klaren Aufgabenliste verknüpft, z.B. Länderprioritäten für die Markterschließung aufzustellen oder, ganz banal, Sprachkenntnisse aufzubauen. Alle Bereiche haben standortübergreifende „Patenschaften“. Solche Strukturen gibt es überall im Unternehmen – dann geht’s.